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Montag, Juni 15, 2020

The Bible or the Gun? Teil 2: Rassismus und Polizeigewalt.

"The Bible or the Gun"" Teil 2: Rassismus und Polizeigewalt.  


In meinem Post vom 28. April 2020 hatte ich anlässlich der Erscheinung von James Baldwins Roman „Giovannis Zimmer“ die Bedeutung afro-amerikanischer Literatur in der Offenlegung der Erfahrung von von Diskriminierung, Segregation und Rassismus dargelegt. Literatur und Filme, z.B. die Verfilmung von Baldwins „If Beale Street Could Talk oder The Hate you Give erzählen immer wieder die gleiche Geschichte. (siehe Post über James Baldwin)



Rassentrennung und Rassismus sind tief in der amerikanischen Geschichte verankert. Baldwin hatte schon 1963 vor der Gewalt gewarnt, wenn sich nichts ändern würde. Diese Gewalt ist nach der Ermordung von George Floyd mehr als deutlich geworden. [Siehe Post The Bible of the Gun Teil 1 v. 15.Juni 2010 -Anm.: 1]

Tiletfoto Lukas Sharret, THe New York Times
Amerika hat aus der Geschichte immer noch nichts gelernt, wie die aktuellen Ereignisse in den USA gerade zeigen?  Nach wie vor sind Afro-Amerikaner dem System des Rassismus mehr oder weniger hilflos ausgeliefert.  Black Americans – und auch andere ethische Minderheiten – sind dach wie vor vor staatlicher Willkür, insbesondere der Ungerechtigkeit durch eine rassisch-orientierte Polizei in vielen Bundesstaaten ausgeliefert – nach wie vor ausgeliefert.

DIE ZEIT ( Ausgabe vom 4. Juni 2020) widmete der Rassenfrage in den USA angesichts der massive Proteste und Unruhen in zahlreichen Großstädten mehrere Artikel. Die USA wird durch die Ereignisse in Minneapolis zerrissen. (Dazu auch "Böhm, A./Brinkbäumer, K.in ebd.).

Hawk Newsome allerdings glaube nicht mehr, dass man etwas friedlich erreichen könne. Parallel zu den Ereignissen in Minneapolis sei er während eine Demonstration in der Bronx verhaftet worden. Jetzt möchte er eine völlig neue Organisation gründen, die den Schwarzen beibringen soll, wie sie sich gegen die Polizei verteidigen  können, so im Sinne von Black Power und Malcom X.

Kerstin Kohlenberg, in Die Zeit v. 4. Juni 2020. Sie auch Winand von Petersdorff, Er sieht anderes Recht für Polizisten, denn nur weniger würden verurteilt werden. Seiner Meinung hätten Polizisten einen Sonderstatus.)     

Laut dem Politikwissenschaftler Omar Waslow (Interview in DIE ZEIT v. 4. Juni 2020, 2 ) sei die heutige Spaltung eine Spätfolge der Protestbewegung und ihrer Erfolge in des 6oiger Jahren. "Bis zum Bürgerrechtsgesetz von 1964 waren beide politische Parteien Stützen des Segregationssystems, mit kleinen Unterschieden"  Dann sei es zur Spaltung gekommen - die Demokraten auf der Seite der Schwarzen und die Republikaner auf der der Weißen. "Heute seien zu 90 % der Republikaner weiß. Insofern resultiert die heutige politische Polarisierung aus der Emanzipation in den Sechtzigern." Dennoch, Veränderungen fänden statt, aber viel zu langsam.

Schwarze in Amerika vertrauen der Polizei schon lange nicht mehr. Laut einem Artikel vom 15. April 2020 titelte Sandra Ward in  WELT.de „Lieber riskiere ich Corona, als von der Polizei erschossen zu werden. 

Wir erinnern an die Vorfälle in Los Angeles in der 90iger Jahren.  2014 wurde Michael Brown in Ferguson von der Polizei erschossen. Die Tatsache, dass der Polizist nicht vor ein Gericht gestellt wurde, löste wütenden Proteste in mehreren amerikanischen Städten. Es folgt eine Chronologie. Auch DIE ZEIT berichtete über die Vorfälle in Ferguson. am 29. November 2014. „Viele Amerikaner sind noch immer aufgewühlt nach der Entscheidung der Geschworenen, den weißen Polizisten Darren Wilson wegen der tödlichen Schüsse auf den Teenager Michael Brown nicht anzuklagen“. Frauke Steffens, die Autorin, verwies auf die Kolumne von Nicholas Kristof, veröffentlicht in der New York Times veröffentliche mit dem Titel When Whites Just Don’t Get it, Er listet Fakten auf, die die Meinung der Weißen, dass Anti-White-Racism größer sei, wider sprechen.
  • Durchschnittseinkommen einer weißen Familie ist um mehr als das 10fache größer als das Einkommen einer vergleichbare weißen Familie 
  •  Der Unterschied ist knapp 50 % größer als 1967
  •  Eine weißer Junge hat eine 5fach höhere Lebenserwartung als ein schwarzer. 
  •  Es ist unwahrscheinlicher dass schwarze Schüler eine eine Schule mit höheren Mathematik und Naturwissenschaft gehen. Zudem  erleben häufiger als Weiße von der Schule suspendiert oder ausgeschlossen, weil sie die Standards nicht erreichen.
  •  Schwarze ohne High-School-Diplom haben ein erhöhtes Risiko eine Haftstrafe zu bekommen als arbeitslos zu werden.
  •  Fast 70 % Afro-Amerikaner im mittleren Alters ohne High-School-Abschluss erlitten Haftstrafen. „All these constitute not a black problem or a white problem, but an American problem. When so much talent is underemployed and overincarcerated, the entire country suffers“, schreibt Nicholas Kirstof
Dazu kommt nun, dass Schwarze in den USA überproportional vom Corona Virus betroffen sind. (siehe Post)

Im Januar 2016 berichtet ZEIT online , im Jahr 2915 seien noch nie so viele schwarze Männer, fünfmal her als weiße Männe und bezieht sich auf eine Studie des Guardian. [siehe Übersicht auf The Guardian]. Junge schwarze Männer (im Alter von 15 bis 34 Jahren) werden demnach neunmal so oft Opfer von tödlicher Polizeigewalt wie der Durchschnitt der Bevölkerung. Auch im Bezug auf gleichaltrige Männer sind die Unterschiede eklatant: Schwarze junge Männer werden fünfmal so oft von Polizisten erschossen wie weiße junge Männer. [ebd. )

Am 7. Juli 2016 schreibt Lea Kramer, nach dem Tod von Michael Brown in Ferguson 2014 seien mehr Weiße als Schwarze erschossen worden. Allerdings wäre es zu kurz gedacht, fährt sie fort, ...die Wut von "Black Lives Matter"-Aktivisten über "racial profiling" und Rassismus gegen Menschen mit dunkler Hautfarbe als haltlos zu bezeichnen. ( SZ.de v. 7. Juli 2016)

Info: Über die Black-Lives-Matter Bewegung.  
Die Organisation wurde 2013 gegründet. "Black Lives Matter (BLM) is an international human rights movement, originating from within the African-American community, which campaigns against violence and systemic racism towards black people. BLM regularly holds protests speaking out against police brutality and police killings of black people, and broader issues such as racial profiling, and racial inequality in the United States criminal justice system" [Quelle Black-Lives-Matter) 
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Anm.: 1: Ein mehr als aktueller Beitrag ist Spike Lees neuer Film "Da 5 Bloods". Lee zeigt hier auf, dass schon von Anfang dieser systematischen und institutioneller Rassismus schon von Anbeginn in der amerikanisches Psyche verankert ist. Immer wieder wurde den Schwarzen Gleichberechtigung und Gerechtigkeit versprochen An dieses Versprechen erinnert schon Martin Luther King in seiner berühmten "I have a Dream Speech" von 1963. Diesen "Cheque" wollte er damals einlösen. Wie die aktuellen Ereignisse als auch  Spike Lees Film deutlich macht, wartet das Schwarze Amerika immer noch, dass dieses Versprechen endlich eingelöst werden.    

Dienstag, März 12, 2019

Freitagsdemonstrationen: Schüler setzen sich für eine bessere Umweltpolitik ein

Wer kennt sich nicht - die 16 jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg aus Schweden, die seit August 2018 jeden Freitag in Stockholm vor dem Parlament für den Klimaschutz und die Zukunft demonstriert. Sie begründete dadurch die Aktion Fridays for the Future. Sie hat weltweit mittlerweile tausende von Nachahmer gefunden.

Ihre Kampagne ist nun auch in Deutschland angekommen. Das deutsche Gesicht verkörpert nun die 22 jährige Luisa Neubauer. Beide traten auf der der Schülerdemo in Hamburg am 01.02.2019 auf, an der sich ca. 6000 Schüler und Schülerinnen beteiligten. Es gehe den Schülern nicht um die Schule zu schwänzen [Quelle: Kathrin Fromm, Hamburg, 01.02.2019, abgerufen am 12.03.2019]

Die Kampagne scheint damit auch in Deutschland bei Politikern einen Nerv getroffen zu haben. Nach Angela Merkel hat sich der Bundespräsident ebenfalls positiv über das Engagement junger Menschen geäußert. „Ihr seid wahrscheinlich angesteckt durch dieses Engagement [gemeint ist Greta Thunberg), so dass wir uns eigentlich nur herzlich bedanken können, Euch ermutigen, das weiter zu tun - innerhalb der Schule natürlich als Thema im Schulunterricht und natürlich auch außerhalb der Schulzeit“. Und  weiter. Deshalb ist es so wichtig, dass ihr Euch zu diesem Thema meldet und immer darauf aufmerksam macht, dass wir was tun. Wir brauchen junge Menschen wie euch, die sich einmischen.» 
[Badisches Tagblatt vom 8. März 2019 abgerufen am 13.03.2019 um 08:00 Uhr]

Leider sehen einige Politiker anders.Weil sie den Kohleausstieg in Deutschland im Jahr 2038 für absurd hält, wurde Greta Thunberg u.a. vom CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak heftig angegriffen. „Greta Thunberg findet deutschen Kohlekompromiss ‚absurd‘ - Oh, man ... kein Wort von Arbeitsplätzen, Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit. Nur pure Ideologie“, schrieb er auf Twitter. Neben einem Affen mit zugehaltenen Augen ergänzte er „Arme Greta!“ [Quelle: "Arme Greta, "Paul Ziemiak spottet über Klimaaktivistin Thunberg, zit. auf Welt Online, abgerufen am 12. März 2019. [Vgl. auch Matthias Wyssumwa, Die Welt, wie es ihr gefällt, FAZnet vom 12.02 2019, abgerufen am 12.03, 2019]  


Auch in Göppingen Schüler gehen Schüler seit ein paar Wochen für einen bessere Klimaschutz auf die Straße .[siehe NWZ vom 04.02,2019, angerufen am 12.03.2019]. Kürzlich wurde ich von Schülerinnen meiner Englischklasse gefragt, ob sie denn für die Demo am Freitag schulfrei bekämen oder man sich dafür vom Unterricht befreien lassen könnte, was ich natürlich verneinte, da es ja eine Schulpflicht gebe. Kultusministerin Eisenmann hat das in einem Brief an die Schulen das nochmals deutlich betont. Heute (Freitag 15. März 2019) wird es erneut zu den Freitagsdemonstrationen kommen. Diese Demonstration sind nach wie vor umstritten. Immer wird den demonstrieren Schülern vorgeworfen sie würden doch nur Unterricht schwänzen. Als Lösungen wurden u.a vorgeschlagen die verpassten Unterrichtsstunden nach zu holen oder eben nach der Schulzeit demonstrieren. (s. Rüdiger Bässler, Klimaproteste erfassen das Land, StgZ v. 15. März 2019, 6). Allerdings darf bezweifelt werden, ob eher freiwillige Demonstration zu dieser Aufmerksamkeit für die von Greta Thunberg ins Leben gerufene Aktion geführt hätte. Das zeigen ja die teils heftigen Reaktionen mancher Politiker.

Kultusministerin Eisenmann hat sich erneut in die Debatte eingebracht. In der Schorndorfer Zeitung vom 27.02.2019 " war zu lesen, die Schulen sollten Klimawandel in der Schule thematisieren, im Unterricht versteht sich. "Bei allem Verständnis für das berechtigte Anliegen der Schüler kann es natürlich trotzdem nicht sein, dass der Unterricht dauerhaft freitags ausfällt", so Eisenmann. Und weiter wird die Kultusministerin zitiert, dass Pädagogen bereits pragmatische Lösungen gefunden [hätten], um mit dem Fernbleiben der Schüler umzugehen, "...Vorbildlich sei etwa die Idee eines Lehrers, seine Schüler einen Aufsatz über das Spannungsfeld von Rechten und Pflichten schreiben zu lassen." In der heutige Ausgabe der Stuttgarter Zeitung relativiert S. Eisemann ihre Äußerungen, etwas.  Jede Schulleitung entscheidet nach dem Schulgesetz, wie mit den streikenden Schülern umgegangen werden soll. Es seien auch Sanktionen möglich, betont aber erneut das Thema in die Schule zu holen [vgl R. Bässler, 2019, in: ebd S.6].
 
Was bitte heißt denn das? Was ist denn überhaupt die Aufgabe der Schule? Die Schule soll doch dazu beitragen, dass Schülerinnen und Schüler zu reifen, mündigen und selbstbewussten, auch kritischen Menschen werden. Natürlich werden Klimaschutz, Ökologie und politisches Engagement im Unterricht thematisiert, u.a. besonders in den Fächern Englisch, Ethik und Religion, in denen es auch und gerade um die Gewissensentscheidung des Einzeln geht. Wie wollen wir Schülerinnen und Schüler ins "Leben" entlassen? Als angepasste Bürger, wie schon Arno Plack in seinem Buch Die Gesellschaft und das Böse,  Kritik der herrschenden Moral (München 1977) kritisiert? "Die herrschende Moral, das ist nicht einfach die Moral, die in einem Volk, in einer Kulturgemeinschaft verbreitet ist. “Herrschende” Moral' hat durchaus mit Herrschaft zu tun, die Moral für die Bürger, die im doppelten Sinn die “Beherrschten” zu sein haben, die stille sein wollen, an sich halten und sich kuschen. Ruhe ist die erste Bürgerpflicht. Der Mensch, der sie als Haltungen, (...) verwirklicht, das ist der lenkbare, bescheidene, unauffällige Mensch, wie ihn die Herrschenden brauchen. Er muckt nicht auf, stellt keine Ansprüche und auch nichts in Frage, wofür zu opfern man ihm bedeutet. Er ist autoritätsgläubig...." Oder um es mit Bettina Wegener zu sagen: "Grade Menschen wären ein schönes Ziel. Leute ohne Rückgrat haben wir schon zu viel." 

Dennoch stimme ich auch der Aussage der Elternschaft zu, grundsätzliche läge Eisenmann mit ihrer Empfehlung richtig, so Matthias Fiola, "Schüler haben bewusst einen Regelbruch vorgenommen. Und wenn wir sie ernst nehmen, dann gehöre dazu auch die Sanktionierung." [Vgl. ebd., S.6] Auch ich plädiere dafür es den Schülern nicht zu leicht zu machen, sondern ihnen auch zu sagen, dass der Einsatz für bedeutende Fragen in Gesellschaft und Politik nicht ohne Folgen bleibt, dass politisch und soziale Engagement und ziviler Ungehorsam Sanktionen nach sich ziehen können. Nicht umsonst erinnern einige Kommentare an die Anti-Atomkraft- Bewegung und der Friedensbewegung der späten 70iger und frühen 80iger Jahre.

Zitieren möchte ich an dieser Stelle Francis Fukuyama, dessen Buch "Identität. Wie der Verlust der Würde unsere Demokratie gefährdet, welches gerade auf deutsch veröffentlicht wurde[s. Rezension von  Maria-Sibylla Lotter, Der gekränkte Mensch, März 2019] Er plädiert für eine Theorie der Identität um zu erklären "...why some people pursue money and security, while others choose to die for a cause or to give time and money to help other people." [Fukuyama, Identity, 2019, 13.]  Das Gefühl der Würdelosigkeit - "Resentment at indignities as a powerful for in democratic societies..." hat u.a die Black-Lives-Matter Bewegung entstehen lassen, nach eine Reihe von polizeilichen Übergriffen und - Morde in Ferguson (Missouri), New York  und anderen Städten, als ein Versuch die Welt draußen zu zwingen die Erfahrungen African-Americans Aufmerksamkeit zu schenken. [Vgl. ebd. 8]. Vielleicht kann die Frage der Identität, die Fukuyama anspricht, vielleicht, warum so viele junge Menschen auf der ganzen Welt mit der Politik und den Politikern unzufrieden und schnelle Lösungen wünschen."Dass Regierungen so wenig tun, macht das Engagement der Jugendlichen dringlich", schreibt Manuel J. Hartung in: Die Zeit,  Nr.11, 7.3.2019, 8.     

Freuen wir uns über die politisch engagierten jungen Menschen, die auf die Straße gehen und den Politikern weltweit ins Gewissen reden, mehr für den Umweltschutz und den Klimawandel zu tun. Wir sollten sie unterstützen und ermutigen, in Schule und Gesellschaft, auch wenn sie gegen Regeln und Gesetze verstoßen. Das haben die großen Vorbilder wie Jesus, Henry David Thoreau, Ghandi und Martin Luther King auch getan. Nicht alle werden mit machen, und auf die Tische steigen, wie die Schüler John Keatings in Peter Weirs Klassiker Club der Toten Dichter. Meine Hoffnung ist, dass viele sein werden, und auch Lehrer und Eltern "...die Jugendlichen unterstützen, auf die Straße gehen, mitmachen auf Klimastreik." (Hartung, ebd.)

Info: Zum Thema Gewissensentscheid siehe auch: Tatort vom 14.11.2010

Sonntag, März 05, 2017

News Reviews Politics

News Reviews Politics

Eine Sammlung aktueller und interessanter Artikel, Kommentar und sonstigen Veröffentlichungen zu Politk und Gesellschaft.  Die jeweils aktuellsten Posts stehen an oberster Stelle.

2. On Barak Obama's Presidency

Manfred Berg writes about the expectations and hope Obama has been confronted with during his 8 years in office, and what he could really achieve as the first Black President. "Mit Barack Obama verbanden die Afroamerikaner große Erwartungen: Er sollte sein Land aus dem Rassismus herausführen. Doch das historische Erbe war stärker." Manfred Berg, No, he couldn't, Die Zeit v. 14. August 2016 Nr. 3.

1. Politiker contra Wissenschaft. 

Am 20. Januar 2017 wurde er offziell in sein Amt eingeführt. Mit seinem Wahlerfolg und seiner Strategie jeglichen Fakten und wissenschaftlichen Theorien zu trotzen  ist seine Haltung auch in Europa immer populärer, auch in Deutschland bezüglich der Flüchtlingefrage. So leugnen nach wie vor eine Vielzahl von amerikanischen Politikern und ein großer Prozentsatz der amerikanischen Bevölkerung den Klimawandel, an dem kein vernünftiger Wissenschaftler mehr zweifelt. (vgl. hierzu das Buch von Lesch, H./Kamphausen, K., Die Menschheit schafft sich ab, 2. Auflage 2017)

In Amerika scheinen nun die Wissenschaftlicher aufgewacht zu sein, wie Christoph Grösser in seinem Artikel Amerikas Wissenschaftler machen mobil - ein Aufstand für die Vernunft ( ) zeigt. Allerdings ist dies nicht nur seit  Donald Trump so. Schon seit langem hat die Wissenschaft einen schweren Stand. Er schreibt: "Zwei Drittel der Amerikaner, das hat eine Umfrage 2011 gezeigt, können keinen lebenden Wissenschaftler namentlich benennen. Das Vertrauen in die Wissenschaft scheidet sich nicht entlang der Parteilinien, wie eine oberflächliche Betrachtung vielleicht nahelegt, sondern eher entlang des sozialen Grabens, der durchs Land läuft: Unter den reichsten 25 Prozent der Menschen, das ergab eine Untersuchung der National Science Foundation, hat immerhin die Hälfte Vertrauen in Wissenschaftler, bei der niedrigsten Einkommensgruppe sind es nur 33 Prozent. Aus diesem Wählerreservoir hat Donald Trump geschöpft." (ebd.) 

Samstag, März 04, 2017

Menschsein heißt: Utopie(n) haben

TK 10 Zukunft - Vom Traum zur Utopie. Die Bedeutung individueller und kollektiver Träume 

Ziel dieser Unterrichtseinheit besteht darin sich sowohl über die eigene Zunkunft als auch über die Zukunft der Welt Gedanken zu machen. Es geht vor allem auch um das Thema Träume und den Entwurf einer idealen Gesellschaft, also um die Frage welche Funktion das utopischen Denken in diesem Zusammenhang inne halt. Letztendlich sollen sich die Schüler auch über die Bedeutung des Reich Gottes Botschaft Gedanken machen und Verbindungen zu ihrem eigenen Leben herstellen. [siehe hierzu Mohamed Amjahid und Geror von Randow, 2016, Sehnsucht Ort? Von wegen! ; Thomas Assheuer (2016) Irgendwo im Nirgendwo. 

Anbei ein kleiner Text über die Geschichte des utopischen Denkens.

a) Die Bedeutung des Träumens
Die Frage nach der Wohin ist so alt wie die Menschen selbst. Schon immer hat der Mensch versucht, seine Gegenwart zu überhöhen. Diese Tätigkeit ist eng verbunden mit der Fähigkeit zum Träumen. Stellt sich die Frage, ob Träume und Visionen, Versuche, die Zukunft zu entwerfen, Antworten geben können auf die Fragen und Probleme der Gegenwart. Menschen, die träumen, wurden lange als "Träumer", als Spinner verurteilt, denen jeglicher Sinn für die Realität verloren gegangen zu sein schien. Träume wurden immer als Flucht vor der Realität interpretiert. Immanuel Kant bezeichnete das Träumen als eine Gemütskrankheit. Und Sigmund Freud behauptete, dass glückliche Menschen überhaupt nicht tagträumten.1

Heutzutage wurde diese Sicht weitgehend revidiert. Vor allem die Psychologie sieht Träume heute wesentlich positiver. So sind Tagträumer nach Christiane Gohl ausgeglichenere und phantasievollere Menschen, die jedoch nicht der Realität entfremdet sind.2 Marilyn Ferguson sieht vor allem, dass es Menschen mit Visionen und Träumen waren, die die Gegenwart verändert haben. Als herausragende Persönlichkeiten nennt sie Mutter Theresa, Virginia Woolf, Charles Darwin u.a. Völker, die sogar eine ausgewiesene Traumkultur besitzen wie die Senoi, sind friedfertiger und geistig gesünder als abendländische Volker.3 Sind Träumer und Visionäre die besseren Menschen?

Träume sind für die psychische und biologische Gesundheit des Menschen wichtig, wie die neuere Traumforschung zeigt.4 Man kann sogar sagen, dass Träume-Haben existentiell zum Wesen des Menschen gehört, der schon immer versucht hat, die Gegenwart zu überhöhen, um den Realitätsdruck auszulösen und eine neue Wirklichkeit zu schaffen. Für viele sammelt sich in der Utopie das, was den Menschen über sich hinauswachsen lässt, was ihn zu einem emanzipatorischen freien Handeln befähigt. Meineserachtens hat das Träumen, eine individuelle Utopie haben, viel mit der kreativen und phantasievollen Aktivität des Menschen zu tun, der damit spielerisch individuelle oder kollektive Zukunft entwirft. Nach Eugen Fink ist das "Spiel" eine der fünf fundamental-anthropologischen Bedingungen menschlicher Existenz, neben Arbeit, Herrschaft, Eros und Tod. Es ist jener Horizont menschlicher Spontaneität, wo sich der Mensch zweckfrei ohne äußere Zwänge entfalten kann.

b) Verschiedene Antworten auf die Sinnfrage
In Bezug auf die kollektive Dimension des Träumens der Zukunft, der Sehnsucht nach Veränderung haben Denker und Philosophen schon früh begonnen, Antworten zu finden. So nahm man an, dass der Natur und dem menschlichen Handeln eine objektiv erkennbare Zweckmäßigkeit innewohnt, die in der "Idee der Ideen" begründet ist, nämlich Gott (Aristoteles). Oder man nahm an, in der allgemeinen Weltvernunft sei ein Zielzustand (= Telos) vorgegeben, an dem alle vernünftigen Wesen teilhaben (Stoa). Oder man orientierte sich an der Verborgenheit Gottes, sichtbar geworden im Mensch gewordenen Gott Jesus (Christentum). Goethe, Darwin, Teilhard de Chardin) nahmen an, es gebe einen natürlich-organischen Prozessablauf, ja vielleicht sogar einen universalen Prozess der Evolution, der in sich Ziel gerichtet ist. Karl Marx hingegen erkannte in der gesellschaftlichen Entwicklung einen Ziel gerichteten Prozess hin zu der "freien Entwicklung eines Jeden als Bedingung für die freie Entwicklung aller". Hegel auf der anderen Seite spricht von einem Prozess des "Werdens zum Geist", während Herbert Marcuse die Utopie einer "befreiten Gesellschaft" verkündete.5

c) Zur Geschichte der Utopie
Der Begriff Utopie stammt von dem englischen Humanisten Thomas Morus, der den Begriff als Titel seines Werkes über dem idealen Staat einführte. Er leitet sich zum einen aus dem griechischen Wort ou-topos ab, was so viel wie Nicht-Ort der Nirgendsland bedeutet. Zum anderen handelt es sich um ein Wortspiel des griechischen Wortes eu-topia, was so viel wie guter Ort bedeutet im Englischen werden beide Wörter gleich ausgesprochen). Unter Utopie versteht man demnach die Darstellung einer unwirklichen Lebensordnung, meist auch einer gerechteren, als sie die Gegenwart bietet. Dieses Ziel soll nach entsprechender Änderung der bestehenden Verhältnisse in der Zukunft verwirklicht werden. Die Utopie übersteigt die Gegenwart auf die Zukunft hin.

Zusammenfassend kann man Utopie definieren als eine ideale Gesellschaft, fern ab jeglicher Zivilisation und total isoliert, vor allem von der Geschichte. Ihre Unabhängigkeit von der realen Geschichte macht sie unverbindlich.6

Im 19. Jahrhundert wandelte sich der Typus der Utopie grundlegend. Das Inselreich7 wird zunächst in das Erdinnere verlagert (Jules Verne) und dann in die Zukunft projiziert (H.G.Wells). Mit Wells ging die utopische Literatur, die weitgehend der Reiseliteratur entstammte, in die neue Gattung Science Fiction über, die fortan ihre Funktion mit übernahm. Wells ist es zudem zu verdanken, dass die Utopie sich stärker an die technischen Errungenschaften des 19. Jahrhunderts anpasste. Wells sah die menschlichen Beschränktheiten, verabscheute sie sogar, glaubte aber, die Menschen seien formbar. Es setzte seine Hoffnungen auf eine bessere Welt, wie sie die Wissenschaft bot.8
Seit seiner Zeit haben die Nachfolger Wells Furcht vor einer totalen biologischen Kontrolle lebendiger Organismen geteilt, seine Hoffnung auf eine bessere Welt durch die Technologie

Aufgrund Erfahrungen mit totalitären Systemen und der beiden Kriege kam es zur Entstehung der so genannten Anti-Utopie, repräsentiert vor allem durch Autoren, wie Aldous Huxley, George Orwell, Ray Bradbury und Anthony Burgess. Sie versuchten jedoch nicht allein die gegenwärtigen Zustände zu kritisieren und vor möglichen Folgen des Totalitarismus zu warnen, sonder sie arbeitet ebenfalls an einem Entwurf, wie der Mensch sich angesichts der schrecklichen Erkenntnisse, die uns das 20. Jahrhundert gebracht hat, bestehen kann.

d) Utopie heute
Utopie ist in den letzten Jahren für viele ein Reizwort geworden. Kontroversen zwischen konservativen und Progressiven, zwischen Christen und Marxisten, Theologen und Soziologen bewegten sich um die Möglichkeit eines utopischen Verhaltens. Utopie bedeutet für viele  chwärmerei und Wunschtraum. Daher stößt sie auch vielfach auf Ablehnung. Nach dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus ist der Gedanke der Utopie erneut einer scharfen Kritik unterworfen worden. Joachim Fest sieht folglich die Utopie am Ende, wie sein Buch "Der zerstörte Traum", vom Ende des utopischen Zeitalters" deutlich zu machen versucht. Für ihn bietet die Utopie keine politische Lösungskapazität mehr. Darüber hinaus führte sie nur zu Knechtschaft und Unwahrheit.10

Dem ist entgegen zuhalten, dass man in der heutigen Philosophie und Theologie die Utopie positiv als etwas real Mögliches und Entworfenes versteht, welches das bestehende überholt; negativ das als Folge eines extremen Missbrauchs menschlicher Möglichkeiten (z.B. Technik) befürchtete. Da menschliche Selbstwerdung ein Prozess ist, gibt es somit kein Menschsein ohne Utopie: Von daher kann man den Menschen als utopischen Wesen bezeichnen, der die Provokation der Utopie braucht. Sie kann die Gegenwart der Zukunft zuführen. Durch ein völlig utopieloses Menschsein käme es zu einer Verkümmerung der Gegenwart; der Mensch kann nicht mehr handeln, da er keine Fernziele mehr hätte.

Für den Dogmatiker Helmut Riedlinger waren neben den großen Vertretern der Utopie Morus, Campanella, Bacon vor allem Jesaja und Jesus Utopisten, wenn sie von eine zukünftigen Friedensreich (vgl. Jes 2,11) oder dem Reich Gottes (vgl. Lk 6,21f) sprachen. Die theologisch umstrittene Frage besteht aber darin, ob sich der Mensch und die Menschheit ihre Vollendung utopisch vorstellen und Zug um Zug selbst herbei führen können, oder ob die Vollendung außerhalb menschlicher Macht steht und allein Gott vorbehalten bleibt.11 [© Griesshaber, 2010]

Anmerkungen:
1 Gohl, C., 1991, Tagträume: Liebe, Lust und Abenteuer, in: Psychologie Heute 4, 1991, 30.
2 ebd., 34.
3 Ferguson, M, 1981, Geist und Evolution, 168. Diese Vorstellung wurde mittlerweile als
Mythos entlarvt, widerspricht allerdings nicht unbedingt der Bedeutung der Träume.
4 Vgl. Ernst, H., 1991, Das Geheimnis der Träume, in: Psychologie Heute 3, 1991, 21-29.
Eine gute Darstellung der neueren Forschung findet sich in: Mechsner, F., 1994, Geschichten aus
der Nacht, in: Geo 2, 1994, 12-30.
5 Vgl. Marsch, W.-D., MS.
6 Vgl. Suerbaum, 1981, Science Fiction, 41.
7 Vgl. hierzu Defoes "Robinson Crusoe" sowie den Gegenentwurf von William Golding "Lord of the Flies".
8 Als Beispiel sei hier nur "Time Machine" erwähnt.
9 Vgl. Aldiss, 1980,, Der Millionen-Jahre Traum, 263. (Neuauflage 1987).
10 Vgl. Münkler, Ist die Utopie am Ende?, in: Die Zeit Nr. 18, v. 26.4.91.
11 Vgl. Vorgrimler, Christliche Hoffnung, in. FKR 19, 13.

Gerechtigkeit

TK 4 Soziale Gerechtigkeit

Unterrichtseinheit über die Bedeutung der sozialen Gerechtigkeit. Schwerpunkt ist dabei eine Einführung in die Christliche Soziallehre basierend auf den Gerechtigkeitsvorstellungen im Alten Testament und bei Jesus. 

Samstag, September 27, 2008

"Der Baader-Meinhof-Komplex" kommt in die Kinos

Der Film "Der Baader-Meinhof-Komplex" ist angelaufen, nachdem er letzte Woche kurz vor der Premiere für den Oscar besten ausländischen Films nominiert wurde.

Während der Spiegel auf dem Titelblatt der gedruckten Ausgabe von der Zerstörung des Mythos RAF spricht, sind andere Blätter eher kritisch, was die Entmythologisierung der RAF angeht. So bezeichnet Michael Althen in seiner Filmkritik im Feuilleton der FAZ (Nr. 224 v. 24. September 2008, S. 33) den Film als Politporno. Er bestehe "....nur aus Höhepunkten - der Rest ist Hummersuppe. Er verhält sich zu einem komplexeren Film wie ein Porno zum Liebesfilm. Wo der eine weiß, wie kompliziert die Dinge liegen, kennt er nur Eskalation. Das ist das Gegenteil von Haltung. Und deswegen sieht der Film die Terroristen am Ende eben doch so, wie sie nie waren."



Auch der frühere Innenminister Gerhard Baum weist daruf hin, dass der Film keine neue Erkenntnisse vermittle. Darüber hinaus warnt er: "Der nichtinformierte Besucher könnte das Kino mit der irrigen Ansicht verlassen, er habe nun die Geschichte des deutschen Terrorismus gesehen. Wichtige Zeitumstände bleiben leider ausgeblendet..." [Baum 2008, Es war kein Krieg, in. Die Zeit Nr. 39 - 18.09.08, 50). Der Film sei "gut gemacht", werde die Debatte sicherlich um die RAF neu entfachen, jedoch nicht verändern. [Vgl. ebd. 49]. Dennoch zeigt er sich von der Realtitäsnähe, mit der in beklemmenden Szenen die Taten nachgespielt werden. Es ist kein Dokumentarfilm im eigentlichen Sinne, aber ein von realen Ereignissen geprägter Film. Wir sind unmittelbar dabei, wenn auf Ohnesorg, Dutschke, Buback, Ponto und andere geschossen wird. Wir werden zu Zeugen der Zwangsernährung von Holger Meins, der trostlosen Situation der Täter in der isolierten Einzelhaft oder der kommunenartigen Gemeinschaft in Stammheim. Der ganze Film besteht aus Szenen, die mich Ereignisse aus nächster Nähe nacherleben lassen, um die ich zwar wusste, die ich aber nie gesehen hatte. Die Fantasie wird lebendig: Wir haben damals die Tatorte gesehen, aber nicht die Ausführung der Taten, deren Brutalität uns so tief getroffen hat. [vgl. eb.d 49]

Gestern habe ich mir den Film dann selbst angesehen und ich muss sagen, ich war beeindruckt, auch von der schauspielerischen Leistung. Anfangs konnte ich jedenfalls die Wut nachvollziehen. Die Studentenrevolte hatte ja durchaus auch berechtigte Wurzeln. Er erinnerte mich an den Film "Ich bin ein Elefant, Madame" von Peter Zadek, den ich damals aus 15jähriger Schüler auf einem SMV-Filmnachmittag sah. Erst später las ich die Romanvorlage von Thomas Valentin, Die Unberatenen". Der immer wieder zitierte Satz von Brigitte Mohnhaupt am Ende des zur Entmythologiserung des RAF Hört auf sie zu sehen, wie sie nicht waren" war für mich stimmig. Ich konnte das Abgleiten in der Terrorismus, vor allem von Ulrike Meinhof nicht nachvollziehen. Sie sind überdrehte und hysterische Irregeleitete, denen es nur noch ums Töten ging. ICh erinnere mich an den Morgen, als ich erfuhr, dass Baader, Ensslin und Raspe sich umgebracht haben, an eine große Erleichterung.

Was der Film allerdings nicht konsequent erzählt ist die zunehmende Panik des Staates, der unter der Bedrohung Grundrechte beschädigte. " Es wäre gut gewesen", sagt Baum, "wenn der Film auch den im Ausnahmezustand der Angst ins Wanken geratenen Rechtsstaat thematisiert hätte." [ebd. 50]Dieses Thema wurde meines Erachtens besser in "Stammheim" (1985) verfilmt.

Dennoch muss man den Film gesehen haben, zeigt er doch, wenn auch bruchstückhaft, wichtige Ereignisse in der jüngsten Geschichte der Bundesrepublik. Ob jüngere Leute diesen Film, jenseits des Actionspektakels, verstehen, bleibt abzuwarten. Wir sollten gesprächsbereit sein.
Dokumentation über die Baader-Meinhof Gruppe


Donnerstag, Mai 15, 2008

Aktion gegen Rechts

Die Zeit hat eine Aktion gegen den Rechtsextremismus gestartet. Weitere Infos findet man hier unter netz-gegen-nazis .