Donnerstag, April 09, 2020

Neues aus dem Corona-Land 3: Gründonnerstag

Donnerstag, 9. April 2020

Am Sonntag, 5. April 2020 feierten wir den Beginn der Karwoche mit Jesu Einzug nach Jerusalem. Heute ist Gründonnerstag, die Erinnerung Letzte Abendmahl, einen Tag vor Karfreitag, dem Tag, an dem Jesus gekreuzigt wurde. "Es kam nun der Tag der Ungesäuerten Brote, an dem man das Passahlamm opfern musste. Und er sandte Petrus und Johannes und sprach: Geht hin und bereitet uns das Passahlamm, damit wir's essen. [...]Und als die Stunde kam, setzte er sich nieder und die Apostel mit ihm.Und er sprach zu ihnen: [....] Und er nahm den Kelch, dankte und sprach: Nehmt ihn und teilt ihn unter euch; denn ich sage euch: Ich werde von nun an nicht trinken von dem Gewächs des Weinstocks, bis das Reich Gottes kommt. (LK 22, 7.8; 18.18). Vor allem in der Karwoche wollen Menschen ja gemeinsam das Leiden und den Tod Jesus bedenken und feiern, zusammen als Gemeinde vor Ort und auf der ganzen Welt. Es wird besonders erinnert an die fürsorgliche Haltung Jesu allen Menschen gegenüber, die er zeigte als er seinen Jüngern die Füße wusch. "...da stand er vom Mahl auf, legte seine Kleider ab und nahm einen Schurz und umgürtete sich. Danach goss er Wasser in ein Becken, fing an, den Jüngern die Füße zu waschen und zu trocknen mit dem Schurz, mit dem er umgürtet war." (Joh 13, 4f). Jedes Jahr erinnern wir uns an Jesus Leiden im Spiegel unseres eigenen Leids, im persönlichen Leben wie in der ganzen Welt.

Abtei gegründet vom Hl. Columban
im Jahr 563 n. Chr.
Aber die Kirchen werden leer bleiben, keine Gemeinsamkeit, Nächstenliebe durch soziale Distanz. Viele Menschen leiden unter der Isolation, dem Alleinsein durch die Kontaktreduzierung, Menschen sterben an Corona, Angehörige verlieren geliebte Menschen. Welchen Trost können wir aus unserem Leid und dem Leid der Welt ziehen?

Am 1. April schrieb ich in meinem Post Corona als Chance meine Gedanken zum Thema Alleinsein, Isolation, Einsamkeit nieder. Ich wollte zeigen, dass der Rückzug ins Alleinsein, das Zurückgeworfen sein auf sich selbst auch eine Chance, eine Gelegenheit sein kann, sich selbst besser kennen zulernen, jenseits von Hektik und Getriebensein von der Arbeit und Leistungsdruck, gehetzt durch die Welt zu gehen und alles machen zu müssen, weil es Glück verheißt, weil uns täglich in den Medien das Heil versprochen wird, vor allem durch Konsum. Insofern hat sich das Leben  verlangsamt, entschleunigt, auch wenn es für viele Menschen als bedrohlich und angstauslösend  erfahren wird. Experten waren mit Recht vor einer möglichen Überforderung der Eltern, von der Zunahme von Gewalt in Familien, es zu Krisensituationen kommen, angesichts des Leid, dass das Corona-Virus auf der ganzen Welt ausgelöst hat usw..

Viele Religionen sehen so eine Auszeit, einen Rückzug wichtige Aus-Zeit für uns Menschen an. Roger Schütz, der Begründer von Taize nannte das "Kampf und Kontemplation" . Es ist wichtig sich für sich Zeit zu nehmen, sich eine "Wüstenzeit" zu gönnen. Jesus ging in die Wüste um sich seiner Aufgabe zu vergewissern. Dort fand er fastend und betend seine eigentliche Berufung.

Die letzte Einsamkeit in seine Leben fand genau nach dem Abendmal statt. "Und als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg" (Mk 14,26), in den Garten von Getsemane. Jesus wurde begleitet von Petrus Jakobus und Johannes, die schliefen aber gleich ein und ließen ihn allein. Er aber betete: "Abba, Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir; doch nicht, was ich will, sondern was du willst!." (Mk 14, 36). Was bei Markus hier so nüchtern klingt, zeigt dennoch die größte Krise und die stärksten Zweifel im Leben Jesu. Es ist verständlich, dass er um einen Ausweg bat. Ihr war ja klar, was mit ihm passieren wird. Was aber soll er tun? Weglaufen? Das hätte er im Trubel des Passahfestes in Jerusalem machen können. Aber was wäre dann für ihne geblieben. Diese Entscheidung musste er in dieser Stunde, allein und einsam, treffen, was bedeutet, niemand kann ihm diese Entscheidung abnehmen. Für Eugen Drewermann ist diese Szene noch erschüttender als die Kreuzigung selbst. IM Vergleich zu anderen großen Religionsstifter ist das Außergewöhnliche Jesu seine Menschlichkeit, schreibt Drewermann, denn nur von Jesus habe man berichtet, "er habe bebend vor Angst seiner Auslieferung und seiner Hinrichtung entgegengesehen." 

Eine filmische Darstellung dieser Szene hat mich seit meiner Jugend immer wieder bewegt und erschüttert. Es ist genau diese Szene im Garten von Getsemane aus dem Film Jesus Christ Superstar. Jesus bittet um eine Erklärung, die er nicht bekommt. Wütend, den Berg hochrennend schreit er Gott an, er möge ich doch eine Antwort geben und ihm zeigen, dass er nicht umsonst gelebt habe. Gott aber schweigt zuletzt. Und der geht in die Knie unter der Last seines Schicksals, physisch und psychisch am Ende. 


So scheint er sich am mit seinem Schicksal abzufinden  und in seinen Tod ein einzuwilligen. Aber dann kommt der Wende. In seiner schlimmsten Stunde, verzweifelt und hilflos, einsam und verlassen erkennt er, dass es ja nie um ihn ging, aber die Geschichte auch nicht begonnen habe, sondern Gott, um das Reich Gottes, das zu verkünden und letztendlich sein Leben zu riskieren, deshalb kam er in die Welt. So schließt die Szene, dass er sich eben nicht seinem Schicksal ergibt, sondern sich vertrauensvoll in seines Vaters Hände begibt. Aus purer Angst wird Vertrauen. Hier noch mal der Schluss der Szene.


Den Tod am Kreuz stirbt er brutalen und schrecklichen Tod, aber nur noch physisch, denn er weiß Gott =Abba an seiner Seite. Die Auslegungen der Gottesferne im Sterben Jesu findet sich jedoch nur bei Markus und Matthäus. Dieser Psalm sei eine Gebet aus tiefe Leideserfahrung, beinhalte, sondern thematisiere das Thema "Beugung und Erhöhung" als typisches Heilshandeln Gottes (A. Deissler). Dieses Gebet sei Jesu Sterbegebet gewesen, aber sein Schrei wurde erhöht. Aber letztendlich zeigt sich hier das tiefe Vertrauen in seinen Vater. Zu zeigen, wie Gott ist, das war seine Aufgabe in seinen Worten und seinen Taten. Und darauf hat er vertraut. So sagte er in der Bergpredigt: "Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden." (Mt 5,4) und in Kapital 6, ""Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?"Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.....Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.(Mt 6, 24ff.)-26a;  

Übrigens taucht im Film Die Hütte, "Eine Wochenende mit Gott" die Theodizeefrage, also die Frage, warum Gott das Leid zulasse, auch das Leid seines Sohnes am Kreuz. Die Hauptfigur McKenzie verzweifelt an dem Tod seiner Tochter, wird auch seltsame Weise dann in eine Hütte eingeladen. Dort trifft er auf die Dreifaltigkeit mit Gott in weiblicher Gestalt. Sie antwortet auf diese Frage: Wir haben es uns nicht einfach gemacht. Dann zeigt im Gott/Göttin die Wundmale an ihren eigenen Händen. Diese Interpretation hat mich sehr berührt.


Wenn als Gott seinen Sohn auf die Erde sandte um uns zu zeigen, wie Gott ist, dann kann man sich nur schwer vorstellen, dass Gott seine Tod so wollte. Gerade diese Szene zeigt mehr noch als der Kreuzestod, dass es Jesu eigene Entscheidung. Schließlich hat er ja immer wieder von seinem Leiden gesprochen. Vielleicht kann uns das gerade in der momentanen Krise Trost, Hilfe und Vertrauen sein. Leider sprechen wir Christen dann immer zu schnell von Ostern und scheinen die Geschichte vom Ölberg und den Karfreitag zu vergessen. Hier der Trailer und ein paar Szenen aus dem Film.

    



 

Corona News 2.2 - 10.04-???.04.2020

Corona News 2.1 - 01.04- 09.04. 2020

Donnerstag, 9. April 2020

Schwerpunkt Corona-Krise in den USA

Mittlerweile sind die USA am stärksten von der Corona-Krise betroffen. Dazu einigen Artikel aus der heutigen Presse. 

  • Spiegel Online: Afro-Americans und Hispanics in den USA vom Coronavirus überproportional betroffen.Besonders die afroamerikanische Bevölkerung  sei überproportional von Covid-19 betroffen. Ursachen dafür sei Amerikas Ursünde des Rassismus, schreibt Marc Pitze in der aktuellen Spiegel Online Ausgabe vom 9. April 2020.  So sei z.B. in New York, aktuell der größte Corina-Krisenherd,was die Zahlen der Infizierungen und Todesfälle unter African-Americans und Hispanics  mit 20 bzw. 23 Prozent mehr als doppelt so hoch wie unter Weißen. Ein Grund sei, dass diese Bevölkerungsgruppen einfach "entblößter" seien. Dazu komme noch die medizinische Unterversorgung in den neighborhoods meist sehr schlecht seien, kritisierten Bürgerrechtler. Vor allem der Präsident der traditionellen Bürgerrechtsorganisationen NAACP Derrick Johnson, Schwarze seien auch bei der Zuteilung der Corona Tests benachteiligt. Dazu komme, dass Afroamerikaner aufgrund ihrer Geschichte der medizinischen Versorgung eher misstrauisch seien. Am Dienstag (7. April 2020) meinten Präsident Trump und sein Berater Anthony Fauci, dass Afroamerikaner stärker betroffen seien. Da läge an den Vorerkrankungen wie Asthma, Bluthochdruck, Diabetes und Adipositas. Es sei sehr traurig. Allerdings wurde wohl nicht hinterfragt, warum das so sei. Auch dafür ließen sich genügend Gründe finden, bei denen ebenfalls die Ungleichheit durch Rassismus und Diskriminierung eine Rolle spielt, offensichtlich ein weiterer Beweis, dass für das Leben eines Großteils der ethnischen Minderheiten eher einem  "American Nightmare", als "American "Dream" gleichkommt.
  • F.A.Z. Net: Majid Sattar berichte aus Washington.
    Er fragt sich, ob sich hinter diesen Zahlen ein Zeichen von institutionellem Rassismus sei stecke, da besonders diese Bevölkerungsschichten besonders unter Armut, schlechter Ernährung, Krankheiten leide.
  • F.A.Z. Net: Corona-Krise in Amerika 17 Millionen neue Arbeitslose in 3 Wochen.
    In der vergangenen Woche hätten sich 6,60 Millionen Amerikaner arbeitslos gemeldet, laut den Arbeitsministerium. in Washington. Aufgrund der Corona Pandemie sei der boomende Jobmarkt Amerikas in eine Talfahrt in Richtung Arbeitslosigkeit geraten. Die Viruskrise habe den jahrelang boomenden amerikanischen Jobmarkt jäh auf eine Talfahrt Richtung Massenarbeitslosigkeit geschickt. Laut aktueller Berechnungen soll die Quote von 3,5 rasant in die Höhe schnellen. Auch für Weltwirtschaft rechnet der IWF) wegen der Coronavirus-Pandemie mit einem katastrophalen Jahr.„Wir sind mit einer noch nie dagewesenen Krise konfrontiert“, sagte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa am Donnerstag. „Wir erwarten die schlimmsten wirtschaftlichen Konsequenzen seit der Großen Depression." 
Aktuelle Videos zum Thema

Zum Schluss: Gibt es auch was positives über Corona zu sagen?

Immer wieder wird auch davon gesprochen, dass die aktuelle Krise sich nachhaltig auf die Umwelt auswirken könnte. Die Mobilität könnte auch nach der Krise auf einem niedrigeren Niveau einpendeln. Die Reiseindustrie rechnet zumindest mit dem Rückgang eines weltweiten Tourismus.
Die Fluggesellschaften befürchten schon einen Einbruch der Passagierzahlen auch nach dem Ende der Krise. Offensichtlich plant Lufthansa seinen Airbus 380 nun endgültig am Boden zu lassen.

Das Klima-Thema scheint momentan ganz aus Focus geraten zu sein. Angesichts dramatischer Einschränkungen des täglichen Lebens zur Eindämmung der Pandemie gebe es halt einen Unterschied zwischen Klimaschutz und Seuchenschutz, meinte Richard David Precht in der DIE ZEIT vom 2 April, obwohl vermutlich noch viel mehr Menschenleben in Gefahr sind, wenn wir die globale Erwärmung nicht bald in den Griff bekommen. Hier steht ja die Zukunft der Menschheit insgesamt auf dem Spiel, und nicht die Gesundheit der Menschen und er Wirtschaft. Aber "die Klimakatastrophe ist gefühlt immer noch weit und sie kostet keinem das Leben - zumindest nicht in Deutschland."  Momentan folgt ja die Politik den Experten und Wissenschaftler und setzt die Vorschläge auch konsequent um. Warum ist es dann für den Schutz der Umwelt für zukünftige Generation nicht ebenso möglich? Antwort Prechts Corona sei konkret und unmittelbar, beim Klima "abstrakt und diffus". Zudem würden sich nur die Vorausschauend und die Vernünftigen fürchten, vor Corona leide auch die "Bornierten".  Eine weltweit gemeinsame Anstrengung für Klimaschutz und Nachhaltigkeit, endlich den Voraussagen der Klimaforscher zu glauben bleibt wohl noch länger seine schöne Utopie. [siehe dazu auch Corona News 1 März 2020, Post vom 25. März 2020)]

Meldung heut in der F.A.Z v. 9. April 2020. "Endlich Ruhe fürs Rhinozeros", schreibt Thilo Thielke aus Kapstadt. Das Jagen und Töten der Tiere sei zurückgegangen, auch durch große Anstrengungen diese Tier zuschützen. Die aktuelle Lage und das rigorose Vorgehen der Behörden schützen momentan die Nashörner in Südafrika. Auch mal eine gute Nachricht. 

Mittwoch, April 08, 2020

Neues aus dem Corona-Land 2: Ermutigung


3. Morgengruß


2. Trost am Abend

Wenn einem die Decke mal auf den Kopf fällt, weil man nicht raus und keinen Besuch empfangen, dann halt ein gutes Buch lesen, wenn der Tag geht und der Abend kommt.



1. Gruß in den Tag

Es gibt auch Ermutigung. Gestern sah ich dieses Bild unter meinem Schlafzimmerfenster bei strahlendem Sonnenschein. Gemalt haben es die Kinder aus dem Haus. Was für eine Freude so den Tag zu beginnen.

      

Montag, April 06, 2020

Corona News 2: April 2020

Montag, 6. April 2020

OK, zugegeben, ich bin eine Maulheld, weil ich ich über die Corona-Krise poste, quasi als mein Corona-Tagebuch.  Laut Katharina Teutsch sei das ein ganz neues Genre. (Die Stunde der Maulhelden, in der  F.A.Z. vom 6 April.  So seien Googletreffer von 6910100 beim Begriff Corona-Tagebuch Beweis genug. "Ein Musterbeispiel [..]: „Ein Krankenpfleger hatte am 3. Februar den 2019- COVID-19-Fall gewaschen und abgesaugt, und dabei eine OP-Maske, einen Schutzkittel und Handschuhe getragen."  Na bravo, sag ich da nur. Das erinnert mich an die Einträge von Schülern in den Anfangszeiten, etwa "heute schon gechillt? oder "Guten Nacht Welt". Ich habe mich schon damals gefragt welche kommunikative Kompetenz dahinter stecken mag. 

Allerdings scheinen die Namen, die Katharina Teutsch in diesem Zusammenhang nennt, zuerst mal gar nicht so verdächtig. Das ist zum einen der Philosoph Wolfgang Schmidt, der auf das Anliegen einer Hörerin, die sich um Ihre Freiheitsrechte Sorgen macht meint sagen zu müssen, "Wir wüssten Positives mehr zu schätzen, wenn wir mit dem Negativen Bekanntschaft gemacht hätten. 

Oder Philipp Hübl. Er führte in "Kultur", eine Sendung von 3Sat philophische Grundbegriffe ein, etwa David Humes Begriff von negativer Freiheit als Freiheit von "..von Krankheiten, Monarchen, Gottesgnadentum und anderen blöden Traditionen", während bei Kant die positive Freiheit im Vordergrund stehe. So sei das Homeoffice Beispiel von "positiver Freiheit" Es könne auch eine Bürde sein, aber man möge dann wenigstens Steuererklärung machen oder den Keller ausmisten, um aus der „existenziellen Verunsicherung rauszukommen."

Ok, also keine Philosophen zum Thema Corona mehr, hinzu den Naturwissenschaften , wie der Astrophysiker Harald Lesch meint - eigentlich schätze ich den - so Teutsch. "Der sieht nämlich jetzt die Stunde der Naturwissenschaft gekommen...und zwar als Alleinherrscherin über alle anderen Disziplinen.".

Dagegen schätzt die Gert Scobel, der zwischen Wissenschaftspositivismus und philophischer Corona-Parties " (Teuscht) in seinem Wissenschaftsmagazin Wissen Hoch2 zum Thema Corona, Ethik und der Mensch vom 2 April 2020 mit Experten und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen die Herausforderungen der Corona-Krise thematisiert, ob z.B. ein Todkranker behandelt wird oder nicht, und wer das dann entscheide, und auf welchen Grundlage. Für Katharina Teutsch eine wahre Sternstunde. Hier noch zwei weitere interessant Clips von Gert Scobel auf youube.

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Erheben wir unser Glas auf die Philosophie, die uns in allen Lebenslagen trösten kann. 



Zum Thema ethische Verantwortung und Aufgabe des States sei hier auch auf den Artikel von Udo Di Fabio An den Grenzen der Verfassung der F.A.Z. vom 6.  April 2020 hingewiesen. Er geht der Frage nach, was der Staat in Krisenzeiten eigentlich darf und was nicht, was ja zugegeben ein komplexes Thema ist, wenn es um die Frage geht, ob der Lockdown eines Landes  und die Blockierung von Wirtschaftszweigen durch den Bund gerechtfertigt sei, die Gesundheit und das Leben der Menschen zu schützen. Es gehen immer um die Güterabwägung. In mehreren europäischen Ländern erfolge (vereinzelt?) bereits die medizinische Versorgung "nach den harten utilitaristischen Gesetzen des Schlachtfeldes: Wer hat die höchste Überlebenschance, wer belastet das Versorgungssystem über Gebühr?" Wobei wir wieder bei dem altem Dilemma wären, darf man ein gekapertes Flugzeug, das von Terroristen auf ein Atomkraftwerk gesteuert wird, abschießen. Nein, sagt das Bundesverfassungsgericht. Aber genauso hatten die USA nach 9/11 Foltermethoden wie Waterboarding gerechtfertigt um Amerika und seine Menschen zu schützen. Wie scheinen erneut vor einem schier unlösbaren Problem zu stehen, wenn die die Rate der Infizierten weiter so schnell steigt und unserer Gesundheitssystem an seine Grenzen stößt, von den Folgen für Volk, Wirtschaft und Staat ganz abgesehen.   

Sonntag, 5 April 2020

Aktueller Stand:  97351 Infektionen, 1524 Todesfälle [Quelle: Statista, abgerufen am 05.054.2020, 18:3 Uhr]

Heute ist Palmsonntag, der Tag, an dem Jesus in Jerusalem einzog. "Am Tag darauf  [NB: dies bezieht auf die Salbung von Bethanien, Joh 12, 1-11] hörte die große Volksmenge, die sich zum Fest eingefunden hatte, Jesus komme nach Jerusalem. Da nahmen sie Palmzweige, zogen hinaus, um ihn zu empfangen, und riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn, der König Israels! Jesus fand einen jungen Esel und setzte sich darauf - wie es in der Schrift heißt: Fürchte dich nicht, Tochter Zion! Siehe, dein König kommt; er sitzt auf dem Fohlen einer Eselin. (Joh 12,12-15).

Traditionell beginnt an diesem Tag die Karwoche, der Beginn der Passion Christi. Doch in diesem Jahr 2020 der Corona-Krise seit Wochen menschen leer, und werden es auch in der Kar- und Osterwoche sein.

Als Papst Franziskus vor ein paar Tagen auf dem der Petersplatz in Rom, angesichts der Corona-Pandemie der Stadt und dem Weltkreis ("Urbi et Orbi") den Segen erteilt. Wir seien verängst, mein der Papst, alles sei leer und finster, wir alle fühlten uns verloren, ja gelähmt, meint der Papst, wie die Jünger Jesu, die mit Jesus im Boot sitzen, vor einem Sturm Angst haben unterzugehen, und Jesus schläft einfach. " Wie die Jünger des Evangeliums wurden wir von einem unerwarteten heftigen Sturm überrascht. Uns wurde klar, dass wir alle im selben Boot sitzen, alle schwach und orientierungslos sind, aber zugleich wichtig und notwendig, denn alle sind wir dazu aufgerufen, gemeinsam zu rudern, alle müssen wir uns gegenseitig beistehen. Auf diesem Boot befinden wir uns alle." (Papst Franziskus"Wach auf, Herr! in der vom 3. April 2020.

Es waren beeindruckende Bilder, wie der Papst einsam und verloren bei Regen auf dem Peterplatz seine Ansprache gab und seinen Segen spendete. Auch Gregor Maria Hoff in der Zeit vom 3. April 2020 war beeindruckt von dieser unwirklichen Atmospäre. Diese Stille berührte alle, die in Quarantäne die Welt wahrnehmen und momentan nur kontaktreduziert leben"  "Schläft Gott jetzt?, fragt der Autor in seiner Bildbetrachtung. "Gerade weil diese Frage im Raum steht, setzt der Papst auf den Ausnahmefall dieses besonderen Segens." In umgebe eine Aura, aber ohne Magie. "Er [der Papst) aktiviert stattdessen die Kraft eines Glaubens, der sich in Achtsamkeit und Respekt, in der Zuwendung zu jedem einzelnen Menschen zeigt.[...]" Der Papst setze ganz bewusst auf das Gebet, denn "...es schaft schafft eine Gemeinschaft, die die Leere im Leben überwindet und in der Verbindungsform des Gebets realisiert, worauf sie setzt". 

Papst Franziskus  schließt seine Ansprache mit den Worten. "Liebe Brüder und Schwestern, von diesem Ort aus, der vom felsenfesten Glauben Petri erzählt, möchte ich heute Abend euch alle dem Herrn anvertrauen und die Muttergottes um ihre Fürsprache bitten[...].Von diesen Kolonnaden aus, die Rom und die Welt umarmen, komme der Segen Gottes wie eine tröstende Umarmung auf euch herab. Herr, segne die Welt, schenke Gesundheit den Körpern und den Herzen Trost. Du möchtest, dass wir keine Angst haben; doch unser Glaube ist schwach und wir fürchten uns. Du aber, Herr, überlass uns nicht den Stürmen. Sag zu uns noch einmal: "Fürchtet euch nicht" (Mt 28,5). 

Samstag, 4. April 2020

Laut den Aussagen des RKI- Chefs Prof. Wieler würden die Maßnahmen gegen Corona wirken. Ein Infizierter würde nur noch eine weitere Person angesteckt. (Vgl. FAZ Nr. 81, vom 4. April 2020, 1). Hoffen wir weiter, dass der Spuk bald ein Ende haben wird.

Am 25. März schrieb ich einen Eintrag über Verschwörungstheorien bezüglich der Zahlen, die laut Statistiken veröffentlicht werden. Zudem verlinkte ich auch einen Video-Clip von Harald Lesch.(s.u.)
Vgl. auch die posts von Wolfgang Meyerhöfer (FAZ Nr 79, 2. April 2020, 8) und  Thomas Grundmann (FAZ usgabe: Nr. 80, 3. April 2020, 12).

Heute weist Sibylle Anderl (Wie tödlich ist Covid 19?, in: FAZ 4. April 2020, 5) darauf hin, man müsse vorsichtig sein. Offensichtlich variierten  die Berechnungsmethoden für die Zahl der Infizierten und der Todesfälle. Dies bräuchte man aber, um entsprechende weiter Maßnahmen zu treffen. Die wichtigst Frage dabei sei, wie "lautet die Sterblichkeitsrate von Covid 19?" Neben unterschiedlichen Zählungen - ist ein Patient  an Vorerkrankungen gestorben sei, und auch infiziert gewesen sei, auch zu den Corona-Toten zu zählen? Auch das Testverhalten habe einen Einfluss auf die erhobenen Daten. (ebd.5). Die Sache sei eben etwas komplizierter. Wissenschaft lebt ja vom Zweifel uns der Kontroverse. Deshalb sei an dieser Stelle auch auf zwei Videos verwiesen, die ich gestern zufällig auf youtube gefunden hatte. Sie stammen von Kaiser.tv
   

Freitag, 3. April 2020

Aktuelle News:
  • Schlagzeile: Amerikas Arbeitsmarkt bricht zusammen. (S. FAZ Nr. 80, 3. April 2020, 1) In der vergangen Woche hätten sich 6,64 Millionen neu arbeitslos gemeldet.Man vermutet eine ein Arbeitslosenquote von 10 % sei möglich. Siehe auch: Amerikas Arbeitsmarkt kollabiert, in: ebd. 15) Dazu der Kommentar von Alexander Armbruster, faznet, 2. April 2020.
  • Auch ZEIT online berichtet darüber: USA verzeichnen mehr als 1.000 Todesfälle an einem Tag. "Insgesamt zählte die Johns-Hopkins-Universität bis Donnerstagabend 5.926 Todesfälle in den USA. Laut den Prognosen der US-Regierung könnten in den USA zwischen 100.000 und 240.000 Menschen an der von dem Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 sterben." Der Anstieg hänge auch zusammen, dass mehr getestet werde.
  • Der Spiegel berichtet zur Aufhebung des Lockdowns: Ich gehe nicht davon aus, dass alles auf einmal wieder geöffnet wird. Der RKI-Chef Lothar Wieler warnt: "Wir stehen am Anfang dieser Epidemie und wir dürfen mit den Regeln nicht nachlassen. 
Interessant im Zusammenhang mit den Ansteckungszahlen müsse man vorsichtig sein, schreibt Thomas Grundmann in seinem Artikel Wer verdient Vertrauen? in der F.A.Z. vom 3. April 2020. Die Ansicht von Experten würden sich oft ändern. Dazu zählt er auch Prof. Drosden. Außerdem würden Experten nicht mit einer Stimme sprechen. Dennoch solle man den Experten vertrauen, da sie täglich mit neuen Erkentnissen konfrontiert werden. Deshalb kann es sein, dass dies Erkenntnisse im Nachhinein sich als falsch herausstellten. Die englische Seite  OffGuardian)  veröffentlichte eine Liste von Experten, die die veröffentlichen Zahlen kritisch sehen. u.a. Karin Mölling. "Every week a person dies in Berlin from multi-resistant germs. That adds up to 35,000 a year in Germany. This is not mentioned at all. I believe that we have had situations like this several times and that the measures are now being taken too far". Zu Kontaktverboten schreibt sie, sie sei der Meinung, man  nicht so viel gegen die Parties junger Menschen, die sich dann gegenseitig anstecken, haben sollte. Wir müssten ja immuner werden, und das ginge eben nur über Kontakte. Zudem würde die Infektion junge Menschen weniger beeinträchtigen. Off Guardian 10 MORE Experts Criticising the Coronavirus Panic, March 28, 2020. Dürfen sich dann die Öffentlichkeit und Politik angesichts kritischer Stimmen weiterhin an an Expertenmeinungen orientieren? "Ja, sie sollten sich unter diesen Umständen an einem solchen Urteil orientieren." , schreibt Thomas Grundmann. Laut Grundmann fände man auf den Listen abweichender Meinungen viele Experten, die man nicht zu den relevanten Experten zählen kann, wie Nobelpreisträger Michael Levitt. Er gewann den Nobelpreis für Chemie(siehe Grundmann, a.a.O).   

Donnerstag, 2 April 2020

Der Umgang mit den Statistiken scheint eine Steilvorlage für den Mathematikunterricht an den Schule zu sein, meint jedenfalls Mathematiker Wolfgang Meyerhöfer in seinem Artikel, die Krise sei auch eine Krise der mathematischen Bildung". (FAZ Nr 79, 2. April 2020, 8). Wer rechnen könne, sei dem Schwindel der Statistik nicht wehrlos ausgeliefert.

Täglich werden die neuesten Zahlen über Infektionen und Todesfälle veröffentlicht, von der John Hopkins-Universität, vom Robert-Koch-Institut oder von Stastita - weltweit oder nur Deutschland - veröffentlicht. Aber wie kommen diese Zahlen zustande, und welche Schlussfolgerungen können daraus gezogen werden. Man müsse unterscheiden zwischen den Todesfälle mit Corona und den Todesfällen durch Corona. Das sei aber nicht immer eindeutig. Die Kontaktbeschränkungen basierten nicht au der Anzahl der "Corona-Toten, "sondern auf der Anzahl der positiv getesteten."  (ebd. 8), zur Freude der Mathematiklehrer, da man hier eine exponentielle Funktion vor sich habe. Die Kurve zeige jedoch nur die steigende Infizierten Zahlen, also mathematisch Bildung erster Ordnung.
Mathematische Bildung fange erst nach dem Erstellen der Kurve. Die Kernfrage sei nicht, wie steil die Kurve verkaufe, sondern "...welches Problem beschreibt die Kurve."  Die Infektionsrate sei nicht die zentrale Frage. "Die Forderung nach mathematisch gebildetem Handeln heißt aber, dass diejenigen, die über unsere Lebens- und Wirtschaftspraxis entscheiden, so lange und so intensiv nachfragen, bis sie verstehen, inwieweit neuere Studien über Covid-19 unseren Blick auf die Gefahrenlage..."  Ziel mathematischer Bildung ziele auf die Fähigkeit, sinnhaft mit Zahlen umzugehen. Dazu gehöre eben auch Integrale und quadratische Gleichungen zu lösen. Der momentane Umgang sei aber mehr oder weniger sinnvoller Umgang mit Zahlen, die dann Einschränkungsmaßnahme legitimierten.

Wäre ein gutes Argument gegen die Auffassung von zahlreichen Schülern Mathematik hätte nach dem Abitur eh keinen Nutzen (mehr). Viel Spaß beim Rechnen.

Mittwoch, 1. April 2020

Aktueller Stand: 18.11 Uhr: 74508 Infektionen, 821 Todesfälle [Quelle: Statista, abgerufen am 01.054.2020]

Wie schon erwähnt, wird fieberhaft überlegt, ob nicht doch eine App zur anonymen Verfolgung eingeführt werden, um die Ansteckungsrate zu verlangsamen. (S. Anonymes Tracking, FAZ Nr 78, 1. April 2020, 2). Aktueller Stand weltweit um 18.06 Uhr, siehe Faznet "Pandemie im Überblick".

Laut Faznet sollen die Kontaktbeschränkungen bis zum 19. April verlängert werden. Gleichzeitig appellierte Bundeskanzlerin Angela Merkel an Ostern keine Reise zu unternehmen. Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt. [Quelle:  Faznet, 1. April 2020, Corona-Kontaktbeschränkungen, abgerufen am 1.April 18.30 Uhr] Die wichtigsten Nachrichten vom Mittwoch, siehe ZEIT online.

Immer wieder wurden Überlegungen laut, die vor den Gefahren eine sozialen Isolation warnen, zumindest für Kinder, die zu Hause nicht geborgen seien, laut Simone Gaul,"Der Alte flippt aus!",  in: ZEIT online, 23. März 2020, abgerufen am 1. April 20202 um 18.35 Uhr. Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass je länger die Kontaktsperre dauere, auch die Zustimmung der Bevölkerung schwinde.

Und immer wieder hören und lesen wir von Falschmeldungen, wie der Corona-Virus sei gar nicht so schlimm wie die Grippe oder Homoöpathie gegen COVID 19? Wer mehre darüber wissen möchte, sei auf den Faktencheck von SWR3 verwiesen. Fake News Coronavirus: Wir klären Lügen & falsche Fakten zu Corona, 1. April 2020, abgerufen um 19.35 Uhr. Hier ein paar Videos von etra 3/NDR.


Besonders zu empfehlen ist der letzte Clip einer etwas älteren Sendung zum Thema Verschwörungs-theorien aus der Reihe Quarks, mit Ranga Yogeshwar.

Mittwoch, April 01, 2020

Neues aus dem Corona-Land 1: Corona als Chance?

Die ganze Welt versucht momentan mit Kontaktsperren, Ausgangsverboten oder Kontaktreduzierung dadurch zumindest die Ansteckungsraten zu verlangsamen, um den Gesundheitssystemen Zeit zu verschaffen. Einige Stimmen plädieren diese Beschränkungen wieder aufzuheben. Andere befürchten eine Zunahme von Gewalt, vor allen in Familien, da Schulen und Kindertagesstätten ja geschlossen sind. Und viele Menschen haben einfach Angst sozial isoliert zu sein. Wenn man gezwungen ist zuhause zu bleiben, mag das für viele als Isolation empfunden werden. Schließlich ist man mit sich selbst allein. Wie gefährlich Einsamkeit, totale Isolation, z.B. als Strafe,oder Folter, sein kann, darüber schrieb Stefan Zweig seine berühmte Schachnovelle. Wie hält man sich aus, wenn es keine Ablenkung mehr gibt? Die Konfrontation mit seinen eigenen Dämonen kann in der Tat Ängste auslösen.

Aber könnte nicht gerade darin auch eine Chance liegen? So schreibt Edo Reents auf faznet vom 31. März 2020: "Die Lage ist für niemanden ein Spaß. Wenn es man aber für einen Moment absehen darf von all den ernsthaft bedrohten Menschen, den Alten, den Schwachen und sowieso schon Kranken; absehen auch von den wirtschaftlichen Folgen, die wiederum soziale haben werden – was bleibt dann noch als Problem? Es ist auf jeden Fall eines, von dem zumindest die vernetzte Gesellschaft wohl glaubte, ihm enthoben zu sein: "  Reents plädiert für die Chance der nur mit selbst verbrachten Zeit zu nutzen. Das sei immer noch ungewöhnlich, haben wir doch eine ganze Industrie, die uns die Zeit vertreibe, wenn wir Zeit haben, durch Fernreisen, Abenteuerreisen, usw. (Rüdiger Safranski). Uns darf es nie langweilig werden. Denn in der Einsamkeit sind wir auf uns selbst verwiesen. Wer bin ich eigentlich, jenseits von Aktionismus bis zum vermeintlichen Burnout?. "Es ist begreiflich, dass Menschen, die von dieser Industrie immer weiter zu Kunden abgerichtet werden, Schwierig-keiten kann, damit selbst zurückgeworfen sind. Zwar wird kein Gerät vom Virus lahmgelegt: aber das das Gefühl der Vereinzelung scheint derzeit dermaßen ausgeprägt zu sein, dass es die Kanäle der gewohnten Kommunikation gleichsam überspringt und Ratlosigkeit hinterlässt. Wer hätte das gedacht: Die Frage, was man auf eine einsame Insel mitnehmen würde, erfährt nun Relevanz.", so  Reents. Ja, keine Frage, mit sich selbst konfrontiert zu werden, kein Gegenüber zu haben, ausgesetzt seinen innersten Ängsten. Das können wir von bedeutenden Philosophen wie Schopenhauer, Nietzsche, Kierkegaard lernen, die die Einsamkeit erlebten.

Die Einsamkeit ist in vielen Religionen und Kulturen der Weg zur Selbstfindung, sei es die Visionssuche als Initiationsriten bei den Native Americans, meditative Versenkung im Buddhismus, so wie Buddha unter dem Bodhi-Baum sitzend seine Erleuchtung fand, im Hinduismus. Oder die "dunkle Nacht" vor der Erleuchtung in der Mystik, z.B. bei Johannes Tauler, Meister Ekkhard, Teresa von Avila. Oder auch Heilige wie Nicolaus von der Flüe. Mystische Strömungen gebe es in aller Religionen, aber es gebe auch Unterschiede, schreibt Schellenberger. " Die fernöstlichen Religionen tendieren stark dazu, den Menschen im großen Ganzen aufgehen zu lassen. In den mystischen Strömungen der monotheistischen Religionen, also Christentum, Judentum und Islam, steht der dialogische Charakter im Vordergrund. Die christliche Mystik ist ganz klar auf Jesus bezogen. (B. Schellenberger im  Sonntagsblatt vom 08. Februar 2015.

Auch von Jesus wissen wir, dass er seine erste Identitätskrise zu Beginn seines Wirken hatte, als er in die Wüste ging, wo er dreimal vom Teufel in Versuchung geführt wurde. (Mk  1, 12-13; Mt 4,1-11. [NB: Zwei weitere Krisen werden folgen, das Messiasbekenntnis des Petrus (Mk 8,27-30) sowie die Versuchung im Garten Getsemane. Mk 14,32-42]. Heute würden wir da von der Konfrontation mit seinen Schattenarchetypen sprechen, den es zu integrieren gilt. Jedenfalls wusste Jesus, was seine Aufgabe war.

Vielleicht kann die Corona-Pandemie dazu führen, dass die Welt und die Menschen wieder bewusster und spiritueller werden. Gehen wir bei aller Gefahr und der Tragik einer immer noch ansteigender Kurve von Ansteckungen und Todesfällen achtsam mit uns, mit unseren Mitmenschen und mit unserer Schöpfung um.

Dienstag, März 31, 2020

Corona News 1: März 2020

Dienstag, 31. März 2020

Aktuell 18:25 Uhr : 67051 Infizierte, 650 Todesfälle.

Letzte Nachrichten. Laut Faznet fordert Ministerpräsident Söder nationale Notfallproduktion von Schutzmasken. Die Verpflichtung eine Maskenpflicht einzuführen wird diskutiert. Ebenfalls wird über eine Verwendung von Corona-Apps nachgedacht. Hier den Podcast vom Sandra Klüber auf in Faznet.de, abgerufen am 18.38 Uhr. 

Weitere Artikel:  Florian Schumann/Alisa Schröder, in Zeit Online, 31. März 2020, "Je härter die Maßnahmen, desto besser. " Interview mit dem Mathematiker Wolfgang Bock. Sollte man die Maßnahmen lockern?. Nein, sagt Beck. "Wir können noch nicht sagen, ob wir uns hierzulande in einer überkritischen Phase befinden. Das heißt, die Fallzahlen steigen immer noch an und es besteht die Gefahr, dass das Gesundheitssystem überfordert wäre, wenn es so weitergeht. Wenn man jetzt mehr Kontakte erlaubt, würden wahrscheinlich recht schnell mehr Menschen an Covid-19 erkranken, als die Krankenhäuser behandeln könnten. Deshalb sagen wir: je härter die Maßnahmen, desto besser. Das jedenfalls zeigen unsere Modellrechnungen (Medrxiv: Bock et al., 2020), die von anderen Forschern noch geprüft werden müssen. 

Kurzer Presserückblick im März 2020
© Nasa-Handout/​EPA-EFE/​REX


    Imago images/Emmanuell Contini
  • 25. März 2020:Stefan Schmidt, Flüchtiger Effekt, in: Die Zeit Nr 14 v. 26. März 2020, in: Zeit OnlineEntlasten die Einschränkungen durch den Corona-Virus die Umwelt? Ein Vorher-Nachher-Vergleich zeige den Rückgang von NOx. Laut Umweltanalyst Lauri Myllyvirta habe sich die CO2-Emission in China im Februar um ein Viertel verringert. Die Annahmen seien falsch, da eine weltweite Rezession die Umwelt vorübergehend schone, aber dass der Ausstoß weltweit nach der Erholung rasch wieder ansteige.
  • 20. März 2020: Was viele Menschen in den letzten Wochen nicht nachvollziehen konnten, waren die Hamsterkäufe, vor allem von Klopapier. Nun hat sich auch die Kunst diesem Phänomen angenähert. Mittlerweile kursieren im Netz mehr Witze als je zuvor. Alle zum Thema Coronavirus. Die Menschheit hat noch Humor. Das ist gut. "Die neue Krypto-Währung ist das Toilettenpapier" oder "Friseur Geschlossen, Nagelstudio geschlossen. Wie werden die Mädels nach der Coronakrise aussehen? Die wahre Apokalypse kommt erst!" kann man in den Sozialen Medien lesen. [sie auch Stefan Trinks, Von der Rolle, in:  FAZ Nr. 74, 27 März 2020, 14.]
Montag, 30. März 2020

Aktueller Stand laut Statista, abgerufen am 20. März 2020 um 19.46 Uhr

Momentan verdopple sich die Ansteckungsrate alle sechs Tage, laut ZDF ZDF Heute um 19.00 Uhr. Hier gibt es aktuelle Zahlen aus Baden Württemberg auf SWR Aktuell. Aktuelle Zahlen in Göppingen 388 Fälle (150,8/100.00 Einwohner)

Donnerstag, 26. März 2020

Aktueller Stand:  39355 Infizierte, 22 Todesfälle. (ebd.)

Die Wochenausgabe der Zeit - Nr. 14, 26.März 2020 - erscheint mit dem Thema: „Alle macht dem Virus? Mehrere Autoren setzen sich mit verschiedenen Themen auseinander, etwa Harro Albrecht, „Wie sicher sind die Krankenhäuser, Andreas Sentker; „Können sich Virologen auch irren?[Ja, meint der Autor. Da das so sei, hätten Wissenschaftler den Zweifel zum Prinzip erklärt. „Erst dieser macht Wissenschaft zu verlässlichen System der Weltbeschreibung.“ (ebd. 3) [deshalb hätten Virologen geraten, die Seuche abzubremsen. Sie sei nun angezogen. Allerdings gelte es zunehmend die Güterabwägung im Blick zuhalten, sollte der Ausnahmezustand länger als bis zum 20. April dauern. Dann müsste man entscheiden zwischen Leben der Menschen und den Wohlstand des Landes und der Wirtschaft zu gefährden. "Und die Republik wird sich streiten müssen, wenn möglicherweise schon bald noch heiklere Maßnahmen getroffen werden müssen. Das Nachdenken darüber, die allgemeinen Bestimmungen wieder aufzuheben, aber Alte und sonst wie Gefährdete weiterhin zu isolieren, hat gerade erst begonnen" (ebd. 3),  oder Jochen Bitter, "Kostet der Datenschutz Leben?" (in: ebd. 2-3). " [Laut Jochen Bitter sei es möglicherweise hilfreich,Infizierte mit einer Daten App zu erfassen, um zu erkennen, wo sich Infizierte aufhalten. Als positives Beispiel nennt er Südkorea, welches sehr erfolgreich den Virus bekämpfen konnte: “Wo das Virus konsequent sichtbar gemacht wird, da schrumpft nicht nur die Angst vor ihm, sondern auch die Notwendigkeit von Pauschalverboten. Und die Gefahr wirtschaftlicher Verheerung.“ (ebd. 3). 

Mittwoch, 25. März 2020

Gestern hatte ich eine interessante Diskussion mit jemand über die Coronakrise. Es handle sich lediglich um eine Massenhysterie. Es gebe keinerlei Hinweise, dass die Corona Pandemie schlimmer sei als eine Grippe. Die letzte Grippewelle habe schließlich 25000 Menschenleben gekostet. Mein Gesprächspartner wie darauf hin, es gebe sogar schon eine Online-Petition mit der Forderung die aktuellen Maßnahmen zu Kontaktbeschränkung   zu heben. Wie oft in Krisenzeiten scheinen sofort diverse Verschwörungstheorien zu boomen. Für Harald Lesch sei das unnötiger Alarm. 
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Dienstag, 24.03.2020

18361 Infizierte, 52 Tote (Quelle: Statista, Erkrankungen-und Todesfälle aufgrund des Coronavirus (Covid-19), abgerufen am 29.03.2020 um 10.30 Uhr)

Seit einer Woche befinden wir Lehrer uns im Home-Office-Modus. Am 16. März 2020 verkündete unsere Kultusministerin Eisenmann, dass alle Schulen und Kindertagestätten bis auf weiteres geschlossen werden. Zusätzlich sollten Kontakte in der Öffentlichkeit deutlich reduziert werden (s. Schreiben vom 16. März 2020). Das bedeute allerdings keine zusätzliche Ferien, sondern Arbeit zuhause, also Homeoffice oder Teleworking. Unser Aufgabe sei es jetzt unsere Schülerinnen von zuhause aus zu unterrichten und ihnen die Unterrichtsmaterialien und Arbeitsaufträge digital zu schicken. Na ja, wenn die Netze das aushalten.  

Sonntag, 22. März 2020

Anhand der aktuellen Zahlen beschloss die Regierung in Berlin eine strenge Kontaktreduzierung zu erlassen, mit dem Ziel die Ansteckungsrate zu verlangsamen und das Gesundheitswesen vor Überlastung zu schützen.

Am 20. März 2020
Heute erhielten wir die Information, dass alle Prüfungen verschoben werden, was auch das Abitur betreffe. “Vor diesem Hintergrund habe ich nun entschieden, den Beginn aller zentralen schulischen Abschlussprüfungen vom bislang vorgesehenen Termin nach den Osterferien auf die Zeit ab dem 18. Mai 2020 zu verlegen.“ (Eisenmann, 20.03, 2020)


Dienstag, März 12, 2019

Freitagsdemonstrationen: Schüler setzen sich für eine bessere Umweltpolitik ein

Wer kennt sich nicht - die 16 jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg aus Schweden, die seit August 2018 jeden Freitag in Stockholm vor dem Parlament für den Klimaschutz und die Zukunft demonstriert. Sie begründete dadurch die Aktion Fridays for the Future. Sie hat weltweit mittlerweile tausende von Nachahmer gefunden.

Ihre Kampagne ist nun auch in Deutschland angekommen. Das deutsche Gesicht verkörpert nun die 22 jährige Luisa Neubauer. Beide traten auf der der Schülerdemo in Hamburg am 01.02.2019 auf, an der sich ca. 6000 Schüler und Schülerinnen beteiligten. Es gehe den Schülern nicht um die Schule zu schwänzen [Quelle: Kathrin Fromm, Hamburg, 01.02.2019, abgerufen am 12.03.2019]

Die Kampagne scheint damit auch in Deutschland bei Politikern einen Nerv getroffen zu haben. Nach Angela Merkel hat sich der Bundespräsident ebenfalls positiv über das Engagement junger Menschen geäußert. „Ihr seid wahrscheinlich angesteckt durch dieses Engagement [gemeint ist Greta Thunberg), so dass wir uns eigentlich nur herzlich bedanken können, Euch ermutigen, das weiter zu tun - innerhalb der Schule natürlich als Thema im Schulunterricht und natürlich auch außerhalb der Schulzeit“. Und  weiter. Deshalb ist es so wichtig, dass ihr Euch zu diesem Thema meldet und immer darauf aufmerksam macht, dass wir was tun. Wir brauchen junge Menschen wie euch, die sich einmischen.» 
[Badisches Tagblatt vom 8. März 2019 abgerufen am 13.03.2019 um 08:00 Uhr]

Leider sehen einige Politiker anders.Weil sie den Kohleausstieg in Deutschland im Jahr 2038 für absurd hält, wurde Greta Thunberg u.a. vom CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak heftig angegriffen. „Greta Thunberg findet deutschen Kohlekompromiss ‚absurd‘ - Oh, man ... kein Wort von Arbeitsplätzen, Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit. Nur pure Ideologie“, schrieb er auf Twitter. Neben einem Affen mit zugehaltenen Augen ergänzte er „Arme Greta!“ [Quelle: "Arme Greta, "Paul Ziemiak spottet über Klimaaktivistin Thunberg, zit. auf Welt Online, abgerufen am 12. März 2019. [Vgl. auch Matthias Wyssumwa, Die Welt, wie es ihr gefällt, FAZnet vom 12.02 2019, abgerufen am 12.03, 2019]  


Auch in Göppingen Schüler gehen Schüler seit ein paar Wochen für einen bessere Klimaschutz auf die Straße .[siehe NWZ vom 04.02,2019, angerufen am 12.03.2019]. Kürzlich wurde ich von Schülerinnen meiner Englischklasse gefragt, ob sie denn für die Demo am Freitag schulfrei bekämen oder man sich dafür vom Unterricht befreien lassen könnte, was ich natürlich verneinte, da es ja eine Schulpflicht gebe. Kultusministerin Eisenmann hat das in einem Brief an die Schulen das nochmals deutlich betont. Heute (Freitag 15. März 2019) wird es erneut zu den Freitagsdemonstrationen kommen. Diese Demonstration sind nach wie vor umstritten. Immer wird den demonstrieren Schülern vorgeworfen sie würden doch nur Unterricht schwänzen. Als Lösungen wurden u.a vorgeschlagen die verpassten Unterrichtsstunden nach zu holen oder eben nach der Schulzeit demonstrieren. (s. Rüdiger Bässler, Klimaproteste erfassen das Land, StgZ v. 15. März 2019, 6). Allerdings darf bezweifelt werden, ob eher freiwillige Demonstration zu dieser Aufmerksamkeit für die von Greta Thunberg ins Leben gerufene Aktion geführt hätte. Das zeigen ja die teils heftigen Reaktionen mancher Politiker.

Kultusministerin Eisenmann hat sich erneut in die Debatte eingebracht. In der Schorndorfer Zeitung vom 27.02.2019 " war zu lesen, die Schulen sollten Klimawandel in der Schule thematisieren, im Unterricht versteht sich. "Bei allem Verständnis für das berechtigte Anliegen der Schüler kann es natürlich trotzdem nicht sein, dass der Unterricht dauerhaft freitags ausfällt", so Eisenmann. Und weiter wird die Kultusministerin zitiert, dass Pädagogen bereits pragmatische Lösungen gefunden [hätten], um mit dem Fernbleiben der Schüler umzugehen, "...Vorbildlich sei etwa die Idee eines Lehrers, seine Schüler einen Aufsatz über das Spannungsfeld von Rechten und Pflichten schreiben zu lassen." In der heutige Ausgabe der Stuttgarter Zeitung relativiert S. Eisemann ihre Äußerungen, etwas.  Jede Schulleitung entscheidet nach dem Schulgesetz, wie mit den streikenden Schülern umgegangen werden soll. Es seien auch Sanktionen möglich, betont aber erneut das Thema in die Schule zu holen [vgl R. Bässler, 2019, in: ebd S.6].
 
Was bitte heißt denn das? Was ist denn überhaupt die Aufgabe der Schule? Die Schule soll doch dazu beitragen, dass Schülerinnen und Schüler zu reifen, mündigen und selbstbewussten, auch kritischen Menschen werden. Natürlich werden Klimaschutz, Ökologie und politisches Engagement im Unterricht thematisiert, u.a. besonders in den Fächern Englisch, Ethik und Religion, in denen es auch und gerade um die Gewissensentscheidung des Einzeln geht. Wie wollen wir Schülerinnen und Schüler ins "Leben" entlassen? Als angepasste Bürger, wie schon Arno Plack in seinem Buch Die Gesellschaft und das Böse,  Kritik der herrschenden Moral (München 1977) kritisiert? "Die herrschende Moral, das ist nicht einfach die Moral, die in einem Volk, in einer Kulturgemeinschaft verbreitet ist. “Herrschende” Moral' hat durchaus mit Herrschaft zu tun, die Moral für die Bürger, die im doppelten Sinn die “Beherrschten” zu sein haben, die stille sein wollen, an sich halten und sich kuschen. Ruhe ist die erste Bürgerpflicht. Der Mensch, der sie als Haltungen, (...) verwirklicht, das ist der lenkbare, bescheidene, unauffällige Mensch, wie ihn die Herrschenden brauchen. Er muckt nicht auf, stellt keine Ansprüche und auch nichts in Frage, wofür zu opfern man ihm bedeutet. Er ist autoritätsgläubig...." Oder um es mit Bettina Wegener zu sagen: "Grade Menschen wären ein schönes Ziel. Leute ohne Rückgrat haben wir schon zu viel." 

Dennoch stimme ich auch der Aussage der Elternschaft zu, grundsätzliche läge Eisenmann mit ihrer Empfehlung richtig, so Matthias Fiola, "Schüler haben bewusst einen Regelbruch vorgenommen. Und wenn wir sie ernst nehmen, dann gehöre dazu auch die Sanktionierung." [Vgl. ebd., S.6] Auch ich plädiere dafür es den Schülern nicht zu leicht zu machen, sondern ihnen auch zu sagen, dass der Einsatz für bedeutende Fragen in Gesellschaft und Politik nicht ohne Folgen bleibt, dass politisch und soziale Engagement und ziviler Ungehorsam Sanktionen nach sich ziehen können. Nicht umsonst erinnern einige Kommentare an die Anti-Atomkraft- Bewegung und der Friedensbewegung der späten 70iger und frühen 80iger Jahre.

Zitieren möchte ich an dieser Stelle Francis Fukuyama, dessen Buch "Identität. Wie der Verlust der Würde unsere Demokratie gefährdet, welches gerade auf deutsch veröffentlicht wurde[s. Rezension von  Maria-Sibylla Lotter, Der gekränkte Mensch, März 2019] Er plädiert für eine Theorie der Identität um zu erklären "...why some people pursue money and security, while others choose to die for a cause or to give time and money to help other people." [Fukuyama, Identity, 2019, 13.]  Das Gefühl der Würdelosigkeit - "Resentment at indignities as a powerful for in democratic societies..." hat u.a die Black-Lives-Matter Bewegung entstehen lassen, nach eine Reihe von polizeilichen Übergriffen und - Morde in Ferguson (Missouri), New York  und anderen Städten, als ein Versuch die Welt draußen zu zwingen die Erfahrungen African-Americans Aufmerksamkeit zu schenken. [Vgl. ebd. 8]. Vielleicht kann die Frage der Identität, die Fukuyama anspricht, vielleicht, warum so viele junge Menschen auf der ganzen Welt mit der Politik und den Politikern unzufrieden und schnelle Lösungen wünschen."Dass Regierungen so wenig tun, macht das Engagement der Jugendlichen dringlich", schreibt Manuel J. Hartung in: Die Zeit,  Nr.11, 7.3.2019, 8.     

Freuen wir uns über die politisch engagierten jungen Menschen, die auf die Straße gehen und den Politikern weltweit ins Gewissen reden, mehr für den Umweltschutz und den Klimawandel zu tun. Wir sollten sie unterstützen und ermutigen, in Schule und Gesellschaft, auch wenn sie gegen Regeln und Gesetze verstoßen. Das haben die großen Vorbilder wie Jesus, Henry David Thoreau, Ghandi und Martin Luther King auch getan. Nicht alle werden mit machen, und auf die Tische steigen, wie die Schüler John Keatings in Peter Weirs Klassiker Club der Toten Dichter. Meine Hoffnung ist, dass viele sein werden, und auch Lehrer und Eltern "...die Jugendlichen unterstützen, auf die Straße gehen, mitmachen auf Klimastreik." (Hartung, ebd.)

Info: Zum Thema Gewissensentscheid siehe auch: Tatort vom 14.11.2010

Mittwoch, November 21, 2018

News Reviews Science & Technology - Robotik

News Reviews - Science & Technology - Robotik

Eine Sammlung aktueller und interessanter Artikel, Kommentar und sonstigen Veröffentlichungen zu Politik und Gesellschaft.  Die jeweils aktuellsten Posts stehen an oberster Stelle.

Im Jahre 2002 veröffentliche der amerikanische Robotikforscher Rodney Brooks sein Buch Menschmachinen. In diesem Buch plädiert er für eine Verschmelzung von Mensch und Maschine, wie es das Science Fiction Genre immer wieder prophezeite. Der bekannteste und "menschlichste" Android ist sicherlich Data aus der Serie Star Trek - Das nächste Jahrhundert. Erwähnt sei nur Isaac Asimov's Robotergeschichten I, Robot oder auch die Geschichten Phillip K.Dicks wie Minority Report, verfilmt mit Tom Crusie. In zahlreichen Holloywood-Filmen werden die künstlichen Wesen eher als Bedrohung empfunden, wie z.B in den Terminatorfilmen. Es wir fieberhaft an der Verschmelzung von Mensch und Maschine gearbeitet. K.I und Robotik träumen schon seit langem von einem neuen Menschen.  Hier eine Reihe von Veröffentlichungen zu diesem Thema, vor allem auch unter dem Gesichtspunkt der Veränderungen am Arbeitsplatz.

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8. November 2018:  Lisa Herzog, 2018, Kann digitale Arbeit menschlich sein? In: DIE ZEIT Nr. 46, S. 48. 
Seit Monaten wird wieder stärker über die Vor-und Nachteile der Digitalisierung diskutiert, insgesamt sehr kritisch was den Verlust der Arbeitsplätze beträfe, ja der Mensch gänzlich verschwinde (vgl.ebd.). Es herrsche Angst vor der Technologie. "Wenn Roboter, Software und künstliche Intelligenz übernehmen, ist kein segensreicher Fortschritt, sondern ein Albtraum der Unmenschlichkeit." (ebd.) Laut Lisa Herzog kann die digitale Arbeit jedoch auch befreiend wirken. Digitale Technik, die einen humanen Fortschritt bringe, Erlösung von schwerer Arbeit ermögliche scheint  funktioniert zu haben, Herzog. Als Argument für Ihre These bezieht Sie sich auf Aristoteles, der bemerkte, "...dass, wenn die Geräte von selbst arbeiten würden, ...die Notwendigkeit menschenunwürdiger Arbeit wegfallen würde.". (ebd.) Ihrer Meinung würden Roboter uns nie unterwerfen und versklaven können. [NB: siehe hierzu diverse Filme aus Hollywood). Diverse Sortware würde weit besser zu Erledigung spezifischer Aufgaben eingesetzt werden. 


9. März 2017: Die Pi-mal-Daumen-Studie, von Max Rauner, 
Angeblich sei jeder zweite Arbeitsplatzt durch Digitalisierung bedroht, so laut einer großen Studie aus Oxhord. (27 - Printausgabe). Das lasse sich jedoch steuern: Er schreibt: "Die Frabrik braucht also nicht weniger, snern besser qualifizierte Arbeiter, die trotz automatisierter Abläufe noch durchblicken. (27)
   
2. März 2017: Lieber Rechte als Verbote, von Algorithm Watch
Antwort auf von Algorithm Watch auf den Artikel von Steven Hill (s.u:). Es wird für eine neue Gesellschaftspolitk plädiert.  Zitat: "Es wird gefragt, wie darauf politsch zu reagieren ist.  "You're fired" (ZEIT Nr. 08/17) schreibt Steven Hill, der Vormarsch neuer digitaler Technologien, kombiniert mit Internet-basierten Crowdsourcing-Plattformen, lege den Schluss nah, dass zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte die "kreative Zerstörung" durch Technologie und Innovation eher destruktiv sein werde. Was, fragt Hill, wenn "smarte" Maschinen und Roboter jeden Job ausüben könnten und kein Mensch je wieder einer Erwerbsarbeit nachgehen müsste? [...] Ein Verbot darf in einer freiheitlichen Gesellschaft immer nur die Ultima Ratio sein. Das Ziel eines Verständigungsprozesses über den Einsatz von Technologien sollte darin bestehen, zu entscheiden, wie viel Freiheit wir durch automatisierte Prozesse hinzugewinnen wollen und welchen Preis wir dafür zu zahlen bereit sind. Dann werden wir in der Lage sein, die Gefahren technischer Entwicklungen zu erkennen und einzudämmen, zugleich aber von ihrem Nutzen zu profitieren." 


20. Februar 2017: Keine Angst vor Roboter-Reportern, von
Künstliche Intelligenz und Digitalisierung verändern zunehmend auch die Bewusstseinsindustrie. Das ist eine Chance für den Journalismus – und die Demokratie.

14. Februar 2017: "You're fired!", von Stefen Hill
Es gibt digitale Technologien, die man einfach verbieten muss.

5. Januar 2017: Als die Maschinen träumen lernten, von Ulrich Schnabel
Ein Märchen aus der Zukunft: Um sich weiter zu optimieren, lagert der Mensch seine Ineffizienz aus. Nun fangen die Roboter an, herumzutrödeln, zu fantasieren und Muße zu haben. Ist das nur ein Gedankenspiel? 

29. Dezember 2016: Wirtschaft Special über Roboter in der Arbeitswelt, in: DIE ZEIT Nr. 1 2017 mit dem Titel "Mein Feind und Helfer. 
  • Frei laufende Machine, von Heike Bucher. Baxter ist eine eindrucksvolle Erscheinung: fast zwei Meter groß, seine Arme dick wie Oberschenkel. Dennoch nimmt er das schwarze Plastikteil ganz behutsam vom Laufband und legt es in eine Transportbox. Dann noch eines und noch eines, bis eine komplette Lage gepackt ist. Bevor er mit der nächsten Lage beginnt, legt er vorsichtig etwas Karton darüber. Ist die Box voll, schickt er sie per Laufband zu einem Kollegen. Und obwohl er stundenlang und ohne Pause immer nur die gleichen Handgriffe erledigt, ist Baxter keine Langeweile anzumerken. Das liegt daran, dass Baxter ein Roboter ist [Mehr.....]
  • Kopfgeburt, von Gero von RandowRoboter überall.[...]Was ist los mit ihnen? Was wissen wir wirklich über sie? Eine Menge, sollte man meinen, schließlich haben Menschen sie konstruiert. Um dieses Wissen kümmert sich die Robotik: die Gesamtheit der Disziplinen, die zum Bau von Robotern nötig sind. Ein etablierter Forschungszweig, mitsamt internationalen Konferenzen und Fachzeitschriften, Lehrbüchern, Studiengängen sowie von der Industrie bezahlten Lehrstühlen. 
Juli 2016: Ulrich Eberl, Aufbruch in die Ära der Roboter, in: Bild der Wissenschaft, 07, 2016, 82ff. Eine Artikelserie über die Zukunft der Roboter, die immer intelligenter zu werden scheinen. Die Entwicklung wird vom Autor beleuchtet, besonders das Thema Computer lernen denken, S. 90ff). Durch die Weiterentwicklung in den bereichen Hören, Lesen und Sprechen würden Machinen bereits in Anwaltskanzleien, Praxen, Banen und Versicherungen einziehen.
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