Montag, April 28, 2008

"Richtet nicht, damit Ihr nicht gerichtet werdet." - Sind wir frei?

"Richtet nicht, damit Ihr nicht gerichtet werdet." Dieses Zitat am Schluss der Bergpredigt ist für Eugen Drewermann so etwas wie der Kern der Botschaft des Mannes aus Nazaret und die Kurzformel für eine kulturelle Revolution, die er angesichts der neuesten Erkenntnisse der Hirnforschung zur Frage, ob der Mensch einen freien Willen habe, entwickeln möchte. Wie sollten uns selbst und die anderen sehen als sich selbst verloren gegangene Wesen.

Zu diesem Thema sprach Eugen Drewermann am 22. April 2008 im Stuttgarter Hospitalhof. Wie könne man Menschen verurteilen, wenn sie für ihre Taten gar nicht verantwortlich seien? Neueste Erkenntnisse der Hirnforschung scheinen die Versuche von Libet in den 70iger Jahren zu bestätigen. So hat John-Dylan Haynes, seit kurzem Professor am Bernstein-Center for Computational Neuroscience Berlin herausgefunden, dass man bis man Handlungen bis zu 10 Sekunden voraussagen kann. Folgt daraus, dass der Mensch keinen freien Willen habe, wie Hirnforscher wie Wolf Singer und Gerhard Roth schon seit geraumer Zeit behaupten? Dazu schreibt Ulrich Schnabel in DIE ZEIT: Gibt es also tatsächlich keinen freien Willen? Entscheidet das Gehirn quasi an unserem Bewusstsein vorbei? So einfach macht es sich Haynes nicht. Der Slogan »Freiheit oder Gehirn« ist ihm viel zu plump. Denn erstens sei das Gehirn ja Teil unserer Person; und zweitens müssten die Hirnprozesse konsistent sein mit all unseren Überzeugungen und Werten. »Wenn es manchmal heißt: ›Mein Gehirn hat so und so entschieden, ich kann nichts dafür‹, dann ist das Quatsch«, ärgert sich John-Dylan Haynes.

Allerdings habe schon Freud die Willensfreiheit des Menschen durch die Entdeckung des Unbewussten bezweifelt,wenn er auch als Ziel der psychoanalytischen Methode formulierte: "Wo es war, muss ich werden". Heute weiss man, dass diese Lustzentrum des Es sich im mesolimbischen Bereich unseres Gehirn befindet. Durch die bildgebenden Verfahren könne man heute viele der Freudschen Theorien jetzt wissenschaftlich bestätigen. Die Grenze zwischen Psychoanalyse und Neurologe sei gar nicht mehr so groß.

Wenn die Hirnforschung den freien Willen endlich ad absurdum führen könnte, so hätte das ernthafte Auswirkungen, z.B auf unser Menschen und die Rechtsprechung. Nach Eugen Drewermann bräuchte diese Menschen eben nicht die Bestrafung und um so mehr Verständnis, indem wie endlich die Botschaft, die wir seit 2000 Jahren kennen, ernt nähmen. Nicht Vergeltung, sondern Mitmenschlichkeit durchkreuze den Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt.
Diesen Herausforderung müsse sich die Theologie auch stellen. Denn der Freiheitsbegriff sei kein Begriff, zu de die Naturwissenschaften Aussagen machen könnten und dürften. Und natürlich können wir nicht jede Entscheidung bewusst treffen. Sich auf Hegel beziehend sagte er: "Freiheit ist die erkannte Notwendigkeit". Und wenn wir lernten Menschen und ihre Handlung zu verstehen, durch die Kenntnis von Seele und Körper, so könnten wie niemand mehr verurteilen. [Mehr dazu im ZDF-Nachtstudio über die Unsterblichkeit der Seele]

Sonntag, April 20, 2008

Barak Obama on Racism

Many people see Barak Obama already as the new President of the United States. Having been critized for being in contact with Reverend Jeremiah Wright who still preaches against white Amerika Obama gave a what will probably go down as a historical speech on the issues of race in Philadelphia on March 18, 2008. He has told the story of his race as a story of wrath and anger (see Peter Kümmel, Ein Mann, dem Zorn enstiegen, in: DIE ZEIT Nr. 14, 27. März 2008, 49). Here is his speech.

Donnerstag, November 15, 2007

Was bin ich MIR wert?

Gestern ging es im Unterricht über Träume, und auch darüber wie wir mit uns selbst umgehen, sprich, ob wir unsere Träume ernst nehmen oder als "Schwachsinn" abtun.

Meine These dazu ist: Die Probleme und Konflikte, die wir im Äußeren haben, sprich mit anderen haben, spiegeln unsere inneren Konflikte wieder, m.a.W. sie zeigen, wie wir mit uns selbst umgehen., meist ohne uns dessen bewusst zu sein. Ich denke, dass Jesus das gemeint hat, als er sagte, man solle seine Feinde lieben wie sich selbst. Wenn wir mit uns im Reinen sind, dann brauchen wir keine Feinde, denn wer sollte uns letztlich uns tun können. Seine Feinde lieben heißt dann letztlich, sich mit dem, was was in uns "Feind", zu versöhnen. Feinde sind nichts anderes als die nach außen projizierten Anteile unseres Selbst. Also, was Seit Ihr Euch WERT? Was seit Ihr EUCH wert? Vielleicht stellt Ihr Euch einmal folgende Frage: Wieso sollen andere Menschen mich mögen? Warum sollen bzw. wollen sie meine Freunde sein? Was ist an mir liebenswert? Und wenn Ihr eine für ehrliche Antwort gefunden habt, dann fragt Euch weiter, ob Ihr Euch auch selbst mit Euch befreundet sein wollt? Und wenn ja, warum? Groucho Marx, ein der legendären Marx Brothers sagte einmal sinngemäß: "In den Verein, der mich zum Mitglied hat, würde ich nie eintreten." Würdet Ihr es denn tun? Ich möchte Euch ermutigen, Euch ernst zu nehmen, Euch wert zu schätzen, vor allem in den kleinen Dingen des Alltags, die einem nicht so sehr auffallen. Seid liebevoll und fürsorglich mit Euch. Denn wenn Ihr es nicht tut, wieso sollen es dann andere - Freunde, Eltern, Lehrer usw. - tun? Nehmt Euch in Arm, wenn es Euch schlecht geht, lobt Euch, wenn Ihr etwas gut gemacht habt. Kinder tun das automatisch. Wir Erwachsenen sind oft viel zu vernünftig, zu verkopft und rational, um so was zu tun. Vielleicht meinte Jesus auch das, als er sagte: "Amen, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen." Und vertraut Euch selbst und Euren Träumen, auch Ihr nicht alles versteht. Folglich die Hausaufgabe: Seid in den nächsten Tagen einmal ganz besonders nett zu Euch, verwöhnt Euch und tut Euch einmal was richtig Gutes. Einer meiner früheren Schüler hat mir nach dem Abitur berichtet, dass genau dies damals sein Leben verändert habe. Und ich würde mich freuen, wenn Ihr darüber berichten würdet - vielleicht hier als Antwort oder in einer Mail an mich - , wie es Euch damit ergangen ist. Doc

Mittwoch, Oktober 24, 2007

Die gerade Linie ist gottlos (F. Hundertwasser)

Vielleicht ist es Euch auch schon so gegangen. Ihr habt etwas angefangen, sagen wir mal, etwas gebastelt, einen Brief geschrieben, ein Projekt begonnen. Ihr ward damit jedoch nicht zufrieden und habt das Produkt , die Idee usw. wieder verworfen, habt neu begonnen, und wieder verworfen. Oder etwas funktionierte nicht mehr. Dann wirft man es weg und kauft sich was Neues, weil die Reparatur sich einfach nicht lohnt. Es ist billiger sich was Neues zu kaufen als das Alte wieder herzustellen oder zu richten. Was nicht passt, wird passend gemacht, oder so lange verändert, bis es passt. Das ist wie mit dem Unkraut, das der Gärtner ausreisst, weil es nicht schön ist und anderen Pflanzen, das Licht, die Nährstoffe und das Wasser entzieht. Jesus meint jedoch, man soll das Unkraut nicht zu früh ausreissen, sondern warten, bis die Frucht reif ist.

Wie steht es mit den Menschen, die nicht mehr funktionieren, die "Ausschuss" sind, die versagta haben, verlieren, eben nicht mehr passen ins Schöne und ins Runde? Werden die auch weggeworfen von Gott? Denn, wie oben erwähnt, sind doch unsere Versuche, unsere Entwürfe, das Vorläufige eben eigentlich kein wirklicher Ausschuss, sondern Teilerfolge auf dem Weg zum Endprodukt. Gilt das nicht auf für den Menschen?

Dazu hat Peter Kottlorz einen interessanten Beitrag zur Senderreihe Anstöße auf SWR 1 vom 22. Oktober 2007 geschrieben, den er mit dem Titel Lob des Ausschusses überschrieben hat. Darin schreibt er: "Also, ich plädiere für ein Lob des Ausschusses, für mehr Geduld und mehr Gutmütigkeit mit uns selbst. Bei den Werken, die wir schaffen und gerade auch bei denen, die wir nicht schaffen. Denn wir sind Gott sei Dank keine Maschinen, sondern Menschen. Und die funktionieren erstens nicht und zweitens nicht immer gleich. Oder wie hat es noch der Künstler Friedrich Hundertwasser gesagt „Die gerade Linie ist gottlos“.

Also, Gott mag es scheinbar nicht quadratisch, praktisch, gut, sondern er bevorzugt offensichtlich das Krumme, das Unperfekte, das Unfertige, weil es noch wachsen, sich entwickeln will und gedeihen kann. Also mag er mich auch so wie ich bin, denn wer kann schon von sich behaupten, dass er "fertig", sprich vollkommen, ist? Manchmal führen eben die krummen Wege zu Gott.

Und übrigens zum Thema "Reparatur": wenn wir an das Jüngste Gericht glauben, an dem wir gerichtet werden, so heisst eben "gerichtet", dass Gott uns so richtet, wie wir ein Fahrrad "richten", wenn es kaputt ist. Dann macht man es auch nicht kaputt, sondern richtet es, macht es wieder ganz.

Dienstag, Oktober 16, 2007

Nobel Peace Prize for Al Gore

Al Gore was awarded the Peace Nobel Prize 2007. As former Vice President in the Clinton Administration and Presidential Candidate in the Presidential Race 2000 he has returned on the political stage with his highly acclaimed documentary An Inconvenient Truth on Global
warming. Fitz Vorholz comments this in the German weekly"Die Zeit" as a defeat for George W. Bush and victory for the UN Council on Climate change. See also the comment by Karsten Polke-Majewski: Ein bisschen Show muss sein. He also seems back as a potential candidate for the next presendetial campaign.
See further clips. [more on Spiegel Online...]

Montag, Juni 25, 2007

“The Training is nothing. The will is everything”

“The Training is nothing. The will is everything”

Anmerkungen eines Klassenlehrers - Abitur 2007

Captain’s Log Stardate 10092005, 1400 - supplemental. Yesterday I met my new crew. Excited and fully motivated I have held briefings and drill exercises all morning in preparation for our three-year journey into unknown territories. After the first six hours I was disappointed. My new crew’s enthusiasm to reach the stars and new horizons, going even beyond the frontiers of common knowledge and understanding did not correspond with my intentions. What did I do wrong?......

So oder ähnlich hätte mein Tagebuch-Eintrag nach dem ersten gemeinsam verbrachten Schultag an jenem Dienstag im September vor drei Jahren ausgesehen. Damals war mir jedoch nicht bewusst, wie sehr mich dieses Gefühl drei Jahre lang begleiten sollte. Jedenfalls habe ich mich sofort an diesen Tag erinnert, als mich das Redaktionsteam der Abi-Zeitung gebeten hatte, etwas über meine Klasse zu schreiben. Doch keine Angst, ich werde nicht erneut darüber schreiben, was in meinen Augen nicht so toll lief. Das überlasse ich lieber kompetenteren Abi-Zeitungsredakteuren.[1]

Was also gibt es aus der Perspektive des Klassenlehrers zu unserer dreijährigen Abenteuerreise sagen? Nach der letzen Klassenarbeit in Fach katholischer Religion, in der es thematisch um Zukunft und das utopische Denken ging, wurde ich gefragt, was denn meine Utopie sei. Vielleicht gelingt es mir, in den folgenden Ausführungen der Antwort auf diese Frage nähe zu kommen, indem ich Euch ein paar Geschichten erzähle, wie zum Beispiel die von Alice und ihren beiden Freunden Tweedledee und Tweedledum aus Lewis Carroll’s “Durch den Spiegel und was alles Alice dort fand”. Eines Tages begegnete den Zwillingen Tweedledum und Tweedledee. Plötzlich hörten die drei ein lautes Schnarchen. Es war der rote König.

,Er träumt gerade", sagte Tweedledee. ,,Und wovon, glaubst du, träumt er?" Alice antwortete: ,Niemand kann das erraten.".

Nun? Von dir!" rief Tweedledum aus und klatschte triumphierend in die Hände.,,. Und wenn er aufhörte, von dir zu träumen, wo, glaubst du, wärst du dann?" ,,Wo ich jetzt bin natürlich", sagte Alice.

,,Du nicht", erwiderte Tweedledee verächtlich. .,,Du würdest nirgendwo sein. Du? Du bist ja nur irgendetwas in seinem Traum." ,,Wenn dieser König da aufwachen würde", fügte Tweedledum hinzu, „würdest du ausgehen - paff! Wie ein Kerze.“

„Würde ich nicht“, rief Alice ärgerlich. ,.Außerdem, wenn ich nur irgendetwas in seinem Traum bin, was seid dann ihr, möchte ich wissen?" ,Dito!" rief Tweedledum. ,Dito, dito", schrie Tweedledee.

Er rief das so laut, dass Alice sich nicht verkneifen konnte, zu sagen: psst! Du wirst ihn wecken, fürchte ich, wenn du so einen Lärm machst".[2]

Nun, Alice glaubt den beiden nicht, aber ganz sicher ist sie sich nicht, ob sie wirklich unabhängig existiert. Denn wenn sie nur im Traum des Königs vorkommt, kann ihn auch niemand wecken, weil er ja auch den Lärm ebenso träumen würde. Existierte sie außerhalb, bräuchte sie jedoch keine Angst haben. Was also nehmen wir wahr? Und gibt es ein objektives Kriterium für diese Wahrnehmung?[3]

Für den Unterricht gilt normalerweise, dass Schüler sich für Schüler halten, Lehrer für Lehrer, die Schüler belehren, und diese es dann auch lernen, oder? Aber vielleicht sind Lehrer Schüler und Schüler Lehrer? Wer weiß das so genau? Vielleicht sind Schüler Menschen die Lehrer lehren; und Lehrer Menschen, die das Lernen lernen? Jedenfalls verwischen sich die Ebenen, und man ist sich nie sicher, auf welcher man sich gerade befindet. Alles ist im Fluss und es gibt keine festen Standpunkte mehr, von wo aus man die Wirklichkeit erkennen kann. Wir schaffen sie uns selbst und handeln immer unserer eigenen Vorstellung von Wirklichkeit entsprechend.

Irgendwo hab ich mal gesehen, dass ein Lehrer nur ein guter Lehrer ist, wenn er auch Schüler seiner Schüler ist. Dieser Spruch war mir immer wichtig. Also, was habe ich von Euch gelernt? Was wird von Euch in meiner Erinnerung haften bleiben?

Nun, es war nicht immer leicht mit Euch - “to boldy go....” im wahrsten Sinne des Wortes, jedenfalls eine ständigen Herausforderung für mich, mit Siegen und auch Niederlagen. Insofern bedanke ich mich für die Lehren. Wenn ich highlights aus unserer gemeinsamen Zeit nennen müsste, so würde ich an ersten Stelle natürlich die mit den beiden anderen Klassen durchgeführte Romfahrt nennen, aber auch die Projektwoche, die mir sehr viel Spaß und Freude bereitet hat - darüber müsste man eigentlich einen eigenen Artikel schreiben - , oder auch die jährlichen Treffen in diversen Pizzerien in Göppingen und Umgebung.

Als Euer Captain und Klassenlehrer gehe ich nun von Bord. Das Raumschiff hat sicher an der Space Station „Diploma Supreme“ angedockt. Und wie es aussieht, sind außer einigen Blessuren keine größeren Verluste zu beklagen. Damit ist meine Aufgabe erfüllt. Ob ich sie gut erledigt habe, wird die Zukunft zeigen. Sollte ich jemandem von Euch während der letzen drei Jahre ungerechterweise auf die Füße getreten zu sein oder jemand persönlich verletzt oder unfair behandelt zu haben, so tut es mir leid. Als Captain hatte ich immer das Überleben des Schiffes - sprich der Klasse - und der Crew im Auge angesichts des gemeinsamen Reiseziels.

Bleibt mir nur noch Euch auf Eurem weiteren Lebensweg alles Gute und Gottes Segen zu wünschen. Werdet zu dem oder der, als der oder die ihr eigentlich gemeint seit. Und wenn Euch in Zukunft Menschen begegnen, die Euch nicht immer wohl gesonnen sind, so denkt ihr vielleicht an den folgenden Spruch des Dalai Lama.

“Derjenige, der mir das größte Unrecht in meinem Leben getan hat - ihn will ich als den wichtigsten geistlichen Lehrer in meinem Leben ansehen und stets in Ehrfurcht und Dankbarkeit an ihn denken.”[4]

Oder wie ein anderer großer „Kämpfer und Philosoph “ einst sagte: „Es kommt nicht darauf an, wie hart Du austeilst, sondern wie viel Schläge Du einstecken kannst“. Wenn Ihr etwas wirklich wollt, so werdet Ihr das auch erreichen. Der Wille ist eben alles.

Herzlichen Glückwunsch zum bestandenen Abitur.

Euer C. Grießhaber
____________________

Als Anhang eine kleine Geschichte aus der Tradition des Zen

In den Bergen eines fernen Landes hauste einst ein schrecklicher menschenfressender Drache. Schon viele Krieger haben versucht, diesen Drachen zu töten. Keiner ist je zurückgekehrt. Eines Tages machte sich ein junger Krieger auch auf den Weg. Er bewaffnete sich mit sieben Schwerter und sieben Lanzen, um diesem Monster endgültig den Garaus zu machen. Doch vorher ging er jedoch ein Zen-Kloster, um zu lernen, wie man richtig stirbt.

Nachdem er das gelernt hatte, ging er mutig und entschlossen auf diese Reise, um sich dem Drachen zu stellen und ihn endgültig zu besiegen. Der Drache witterte seinerseits den jungen Krieger sofort und freute sich auf ein weiteres Festmahl. Der Kampf dauerte Stunden. Der Krieger kämpfte verbissen, so lange, bis er alle Schwerter und alle Lanzen verschleudert hatte. Doch dem Panzer des Drachens konnte er keinen noch so winzigen Kratzer beibringen.

Erschöpft, müde und am Ende seiner Kräfte, setzte er dann plötzlich sich in den Lotussitz vor den Drachen und war bereit zu sterben. Der Drache, der ihn gerade verspeisen wollte, war so verblüfft über diese Reaktion. Er hielt inne und fragte den jungen Krieger, was das denn solle, worauf der Krieger entgegnete: “Du kannst mich töten und fressen, aber bedenke, dass, wenn du mich beißt, du dich beißt. Und wenn du mich frisst, du dich frisst. Denn wir sind alle eins”. Und während der Drache verwirrt darüber nachdachte, entfloh der Krieger blitzartig und überlebte. Der Drache soll anschließend nie mehr einen Menschen gefressen haben.


[1] Diesen Redakteuren sei die Lektüre der kleinen Geschichte im Anhang besonders ans Herz gelegt

[2]Carroll 1974, S. 169f., in: Schwanitz, D., 1990, Systemtheorie und Literatur, Opladen, 13. Übersetzung von Schwanitz)

[3] Vielleicht sollten wir auch einfach die rote Pille nehmen und weiter träumen.

[4]Entnommen aus: R.Wanner, Ochsentritt Okt. 1989 XVV4 und Juli 1989 XII3 (unveröffentlichtes MS).

Donnerstag, Februar 08, 2007

Der Stress des Lehrerberufs Teil 2

In der Zeit vom 25. Januar 2007 schreibt Astrid Viciano in Ihrem Artikel "Guter Arzt, kranker Arzt" über die Belastung von Medizinern in ihrem Beruf. Viele Ärzte würden sich ausgelaugt, deprimiert fühlen, und dann auch zu leistungssteigernden Medikamenten greifen. Die Ansprüche seinen enorm. "Sie sollen auch einfühlsam sein, auf Angst und Trauer der Patienten und Angehörigen eingehen" Es werde weit mehr verlangst als reine Fachkompetenz. (31).

Dazu wurden drei Grafiken (Quelle: ZEIT_Grafik/Quelle: M Nübling, FFAS 2006 veröffentlicht, die die Belastung der Ärzte zeigen sollen, wie Burnout-Syndrom, Mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben und emotionale Anforderungen. Das alles klingt schon sehr bedenklich und zeigt das de Arztberuf ein sehr stressiger und gesundheitanfälliger Beruf ist.

Allerdings weisen die Statistiken auf Überraschendes auf. Denn in zwei von den drei Kategorien werden Ärzte nur von den Lehrern geschlagen, nämlich beim Burn-out-Syndrom - 49 von 100 Punkten bei Lehrern, 48 bei Ärtzen - und bei den emotionalen Anforderungen - 76 gegenüber 67 Punkten. Nur bei der Vereinbarkeit von Beruf und und Privatleben sind Ärzte stärker betroffen - 73 gegenüber 60 Punkten bei Lehrern. Da werden Lehrer nurn noch von den evangelischen Pfarrern geschlagen. Aber bestimmt nicht das wieder niemand zur Kenntnis.

Samstag, Dezember 30, 2006

Die Hinrichtung Saddam Hussains

Die Weihnachtsfeiertage sind schon wieder vorbei und die Welt ist kein bisschen friedvoller geworden. Das Töten geht weiter, besonders auch im Irak. Letzter Höhepunkt in diesem von Bush ungerechtfertigt geführtem Krieg ist die Hinrichtung Saddam Husseins. Damit wird der Frieden auf der Welt und im Irak keinesfalls sicherer. Die ZEIT-ONLINE berichtet in ihrem Artikel "Tod am Galgen" davon. Jörg Lau zitiert in seinem Zeit-Blog Chefredakteur Ghassan Charbel der liberalen arabischen Zeitung Al Hayat (London und Beirut): "Ich weiss, dass viele Menschen davon träumen, Saddam tot zu sehen. Sie zählen die Tage und bereiten eine Feier vor. Sie wollen ihre Familien gerächt sehen. Doch Saddams Leichnam wird Öl im Feuer des Hasses sein" (Al Hayat vom 28.12.2006) [mehr...]

Was für Verbrechen gegen die Menschheit ein Diktator wie Saddam auch immer begangen hat, seine Taten rechtfertigen in keinem Fall die Todestrafe. So sieht es auch Martin Klingst, wenn er in seinem Kommentar zur Hinrichtung schreibt: "Sie [die Todestrafe] negiert die Menschenwürde und verkehrt die Aufgabe derGemeinschaft, Leben zu schützen, in ihr Gegenteil. Ein Staat, der einenwehrlosen Menschen in seinen Händen hält und ein inhaftierterVerbrecher ist ein solcher, gleich welche Schuld er zuvor auf sichgeladen hat muss dessen Leben schützen und darf es nicht vernichten." [mehr...]

Donnerstag, Dezember 14, 2006

Der Stress des Lehrerberufs

Nun ist es wieder einmal wissenschaftlich bewiesen. Lehrer sind wesentlich stärker belastet in ihrem Beruf als Ärzte oder Polizisten, wie eine neue Studie von Professor Schaarschmidt, der 20 000 Pädagogen befragt dazu befragt hat, nachweist (s. Die Ausbrannten in Die Zeit Nr.51, 14. Dezember 2006). Lehrer sind eben keine Halbtagsjobber, die sich nachmittags auf dem Tennisplatz oder wo auch immer tummeln. Diese Vorstellung " �war schon immer falsch. Vielmehrüben Lehrer � was ihre seelischen Belastungen angeht � einen deranstrengendsten Berufe aus. Bei anderen Berufsgruppen, die ebenfallspsychosozialen Beanspruchungen ausgesetzt sind, wie Pflegekräften,Polizisten oder Ärzten finden wir nicht eine annähernd so hohe Zahl vonPersonen mit Risikomustern. Dabei ist das häufige Vorkommen vonResignation besonders bedenklich, denn Lehrer sollten doch ihre Schülermotivieren und mitreißen können. Das ist jedoch unmöglich, wenn sieihre verbliebene Kraft nur dazu aufwenden, irgendwie über die Runden zukommen, sgat Schaarschmidt im besagten Interview. [mehr...]


Aber das Bild in der Öffentlichkeit ist immer noch schlecht. Immer wieder wird gegen Lehrer polemisiert. Doch diese Polemik gegen Lehrer nütze niemanden, sondern demotiviere Lehrer und mache sie krank, sagte Joachim Bauer im Jahre 2004. �Lehrer sind Schwerstarbeiter im Klassenzimmer�. (Zit. in: Anja Krumholz-Reichel, Ein Lehrer kann seine Schüler nicht einfach entlassen, wenn sie ihm nicht passen: Gespräch mit Joachim Bauer, in: PH 1, 2004, 38). Und Thomas Kerstan schreibt in seinem Artikel "Pakt mir den Paukern" in Die Zeit Nr 49, 30. November 2006: "Wenn die deutsche Schule gesunden soll, dann muss die Gesellschaft dieLehrer besser behandeln, einen Pakt für die Bildung mit ihnenschließen. Schon seit längerem ist es um den Ruf der Pädagogen nichtgut bestellt. Vor fünf Jahren hat die Pisa-Studie das Land alarmiert:Die Leistungen unserer Schüler sind im internationalen Vergleichbestenfalls Mittelmaß, das Bildungssystem ist ungerecht und produziertzu viele Verlierer. Allzu leicht sind die Lehrer als Hauptschuldige an der Misere unter Generalverdacht geraten."

Die Gesellschaft müsse endlich die Leistung anerkennen, denn..."Die Lehrer geben an der Schule den Ton an, und sie gestalten denUnterricht. Sie tragen die Hauptverantwortung für die Leistung einerSchule, und der müssen sie gerecht werden. Ohne ein Umfeld aber, dassie trägt, können Schulen nicht gelingen. Deshalb muss die Gesellschaftdas ihre für einen neuen Bildungskonsens tun. Lehrer verächtlich zumachen sollte nicht mehr zum guten Ton gehören. Vielmehr sollten die Leistungen der Lehrer, besonders derjenigen,die in sozialen Brennpunkten arbeiten, viel häufiger öffentlichgewürdigt werden."

Das wünsche ich mir für das Jahr 2007.

Mittwoch, August 09, 2006

"The World has gone mad again" - War in the Middle East.

The World has gone mad again, not enough trouble in Afghanistan, in Iraque and elsewhere. For weeks now Israel has been attacking Lebanon to fight Hisbollah in self-defense, who continues to attack Israelian cities with missiles. Innocent people on both sides are suffering. And peace in the region seems to be out of sight for generations. People here in Germany - like me - are puzzled, shocked and confused about so much hate on both sides. Of course, we have a historic responsibility towards Israel, but I also think that war is never a solution. Everyday we hear on the news about attacks, killings and deaths of innocent people, especially children. And I have always asked myself, maybe a bit naive why people just can't live together and grant each other the right of life and existence.

I read in the German weekly "Die Zeit" (Nr. 31, July 27, 2006, 2) an article about how young people in Lebanon try to cope with this difficult situation by writing ahout the war in their weblogs. Here are some weblogs One is from Eve, a translator in Beirut, from Nadche , a franco-lebanese student, Zena, an artit from Beirut, or the weblog of a blogger named "ramzi". Check them out.

Sonntag, Mai 21, 2006

Dan Brown sei dank?! - "Der Da Vince Code" ist in den Kinos angelaufen.

Nun ist es also soweit. Mit einem riesigen Werbeaufgebot und viel Geheimniskrämerei kam diese Woche nach der Weltpremiere in Cannes die Verfilmung des Da Vince Code in die deutschen Kinos. Im Katholischen Sonntagsblatt vom 14. Mai 2006 (S. 2) wird berichtet, dass die Kardinäle Poggi und Arinze zum Boykott aufgerufen hätten, weil das Buch das Falsche erzähle. Außerdem sei Brown's Werk beleidgend, verleumderisch und fehlerhaft, so der Sekretärt der Glaubenskongregation Angelo Amato. Aber berichtet wird da ja nichts Neues, wie Christoph Ahrens in seinem Artikel "Viel Erfindung, wenig Fakten", schreibt (ebd. 30). Man wittere, "dass die mit wenig historischer Sorgfalt gegründete Kirchenkritik Browns... bei theologisch und historisch wenig gebildeten Lesen auf fruchtbaren Boden fallen könnte." (Joachim Valentin, in Herderkorrespondenz, Nov.2005, 564).

Also ist das Buch und der Film die ganze Aufregung wert? Fällt die Kirche nicht auf ihre eigenen Befürchtungen herein? So schreibt zum Beispiel Verena Lueken in ihrem Artikel "Fürchtet euch nicht" (FAZ-Online vom 22.05. 2006) über die Premiere in Cannes: "Wenn die Vorabempörten das Gelächter hätten ahnen können, das den Kinosaal erfüllte, als gegen Filmende der entscheidende Satz fiel - 'du bist die letzte Nachfahrin Christi' - hätten sie geschwiegen."

Wie auch immer, ich denke wir müssten Dan Brown eigentlich dankbar sein. Dazu ein paar Gedanken.

Vorab eine persönliche Bemerkung. Ich mag die Bücher von Dan Brown. Ich habe alle vier gelesen und fand sie sehr unterhaltsam und spannend, wenn sie auch alle nach dem gleichen Strickmuster geschrieben sind, was die Charakterkonstellationen, Cliffhanger in der Handlung, überraschende Wendungen etc., betrifft. So stellt sich am Ende immer heraus, dass der Gute eigentlich böse, und der Böse eigentlich gut ist - "fair is foul and foul is fair". Das kennen wir schon seit Shakespeare. Eigentlich nichts neues. Aber was ist an Dan Brown so faszinierend? Dazu vier Bemerkungen.

Erstens: Literatur hat schon immer auf bestimmte Strömungen in der Gesellschaft reagiert und kann somit auch als Spiegelbild gesellschaftlicher Wandlungen und den damit verbunden Ängsten und Unsicherheiten angesehen werden. Das gilt etwas für den Beginn des Schauerromans in England zur Zeit der Romantik - etwa The Castle of Otranto von Horace Walpole oder The Monk von Mathew Lewis - als antiklerikale und antipapistische Auffassungen weit verbreitet waren, bis hin zu Tolkiens Universum von Mittelerde als Gegenwelt (Lord of the Rings) zur technologisch-positivistischen Weltanschaung und Wissenschaftsgläubigkeit der Neuzeit, wie sie etwa H.G. Wells vertritt. Dan Brown ist da eben auch ein Kind seiner Zeit, der sich an ein bildungshungriges Publikum wendet. Er bedient sich nachprüfbarer historischer, architektonischer und kunsthistorischer Fakten und konstruiert daraus eine gut gemachte Story, eine Fiktion eben, in der es immer um das Geheimnisvolle, das "mysterion" und seine Entschlüssung geht. "Das Verschwinden des Mysterium aus der modernen Medienwelt, die jedes gewünschte Bild zu jeder Zeit an jedem Ort zu reproduzieren in der Lage zu sein verspricht und damit die weit zurückreichenden Erosion des Geheimnisses vollendet, scheint eine ganz eigentümliche neue Sehnsucht nach entmystifizierten Geheimnissen hervorzubringen", schreibt Joachim Valentin in seinem Artikel in der Herdekorrespondenz " (Joachim Valentin, ebd. 655). In einer Welt, die zumnehmend entmythologisiert und entschlüsselt wird, finden Menschen Gefallen an solchen Verschwörungstheorien.

So ist es in Digital Fortress ein Super-Code, der alle Codes knacken kann, in Deception Point angesichts geheimnisvollen Meteor um die Macht in Amerika, in Illuminati um den Machtkampf zwischen Theologie und Naturwissenschaften - neu aufgelegt in den Auseinandersetzungen über das sogenannte Intelligent Design- , und im Da Vince Code um die Suche nach dem Heiligen Gral, der hier als "weibliches Gefäß" für die Blutlinie Jesu auftaucht, also schlicht um ein anderes, alternatives Christentum und um die Frage: Wer war Jesus Christus wirklich?

Durch Dan Browns Romane wird das Interesse der Leser an Geschichte und an der Vergangenheit wieder geweckt. In diesem Sinne sind seine Romane durchaus Bildungsromane, die sich mit aktuellen Themenfelder wie Naturwissenschaft und Religion, Kunst- und Kirchengeschichte, Symbologie, Philologie usw. beschäftigen (vgl. Valentin, edb. 566) und eine Bedürfnis nach Wissen und Bildung befriedigen. Da steht er in der Tradition von Umberto Ecco (vgl. Der Name der Rose; Das Foucaultsche Pendel). Jedenfalls erfreuten sich viele der im Roman erwähnten Stätten regen Zulaufs von Besuchern [siehe Michael Mönninger: Wo geht's hier zum Gral?]. Auch das Interesse an Kunstgeschichte hat deutlich zugenommen, wie Frank Zöller in Die Zeit schreibt [Der große Bilderverdreher], was sich übrigens auch im Film wiederspiegelt. Hier verbeugt sich die Kamera gerade ehrfürchtig vor diesen großartigen Kunstwerken. Inwiefern der Leser gebildet genug ist um zu durchschauen, dass es trotz aller Spannung um Fiktion handelt, hängt natürlich davon ab, wie informiert der Leser letztlich ist. Da vielleicht verläuft ja da genau die Grenze hin zur Gotteslästerung, indem man Fiktion mit Realität verwechselt, was Dan Bronw ja durchaus beabsichtigen mag, wenn er im Vorwort betont, dass bestimmte Aspekte des Roman auf Tatsachen beruhten. Das ist jedoch nur zum teil richtig. Diese die realitäskritische Reflexion komme, so Valentin im Roman so gut wie nicht vor und sei deshalb zu kritisieren.

Zweitens: Die Katholische Kirche und ihr Machapparat hat schon immer Anlass zu vielerei Spekulationen und Theorien über Verschwörung, Unterdrückung der Wahrheit, Verfolgung von anders Denkenden etc. gegeben (s.o.) . Thematisiert Illuminati die Streitfrage zwischen Glaube und Naturwissenschaft, so lautet im Da Vince Code die zentrale Frage: Wer war Jesus? Vielleicht hat man in Rom im Vorfeld des Films genau deswegen so hysterisch reagiert, weil Dan Brown mit seinem Da Vinci Code das Terrain besetzt und esoterisch verfälscht, das eigentlich die ureigenste Sache der Kirche ist. Aber Geheimnisse sind interessanter als kalte Fakten. Insofern sollten wir ihm dankbar sein, dass durch sein Buch das Interesse an Religion gewachsen zu sein scheint und Menschen wieder fragen, was mit diesem Menschen Jesus von Nazareth auf sich hat, wie die historischen Anfänge des Christentums waren und wie es um die Dimension des göttlich Weiblichen steht, eine Frage, die ja die feministische Theologie stark beschäftigt hat. (Erinnert sei hier das Buch von Elizabeth A. Johnson "Ich bin die ich bin" - Düsseldorf 1994 - , in dem sie die Spuren der Sophia-Tradition verfolgt, etwa in ihrem Kapitel Jesus-Sophia, in dem sie Jesus mit der Sophia-Tradition der atl. Weisheit in Verbindung bringt. Und die weiblicher Hauptfigur im Roman heisst ja Sophie Neveu). Dieses Interesse gestehen Marie-France Etchegoin und Frédérik Lenoir in ihrem Buch "Das Geheimnis des Da-Vinci-Code" (München 2005) dem Da Vinci Code durchaus zu. "Man bekomme Lust, das Phänomen der Religion die Welt der Symbole näher kennen zu lernen. Der Roman bedient ein Bedürfnis nach Geheimnsivollem" (8) .

Drittens: Zum Film. Den kann man natürlich filmtechnisch kritisieren, was ja weitgehend auch geschehen ist (s.o). Ich fand ihn spannend, kein Reisser, gute Unterhaltung eben. Interessant ist, dass der Film in wesentlichen Passagen die in der Romanvorlage enthaltene Kirchenkritik deutlich entschärft. Robert Langdon z.B. versucht die von seinem Gegenspieler Sir Teabing geäußerte Kritik an Konstantin und dem Konzil von Nizäa, welches dieses alternative Christentum unterdrückt habe, immer wieder zu relativieren.

Viertens: Wenn es auch eine fiktive Geschichte geht, die Dan Brown um die historischen Fakten und Legenden, z.B aus apokryphen Evanglien, zusammenschreibt, oder wenn er an die kulturhistorische alte Vorstellung des hieros gamos, der heiligen Hochzeit, anknüpft, die im Film nur sehr kurz und in einer Rückblende auftaucht, so muss man doch kritische Fragen an sein Weltbild, das er hier transportiert, stellen.
In der Geschichte des Christentums hat es immer Anfechtungen des Glaubens durch dualistische Vorstellungen von Gut und Böse gegeben. Und nach dem 11. September folgt er vielleicht zu sehr seinem Präsidenten in dieser Hinsicht. Die Welt ist jedoch viel komplizierter als nur gut oder böse zu sein. Christlich sind diese Positionen jedoch keineswegs, wie JoachimValentin betont, denn gerade mit dem Monotheismus - und noch mehr durch die Trinität - wurde diese Vorstellung überwunden. Ebenso sei die Vorstellung einer Blutlinie Jesu doch sehr monarchistisch, die davon ausgehe, dass man ein besonderer Mensch ist, wenn man zu dieser Blutlinie gehöre. Insofern ist die Frage interessant, die Langdon Sophie Neveu am Ende stellt: "Was machst du mit deinem Erbe?", was nichts anderes heisst mag: Was ist der Sinn des Lebens? Wofür lebst du und welche Rolle spielt Jesus für dich?

Darauf gibt der Film eben keine Antwort. Aber vielleicht kann ja an dieser Stelle das Gespräch darüber beginnen, oder um es mit Joachim Valentin zu sagen: "Die von Dan Brown ...erschlossenen Problemfelder auf ihr Fragepotential abzuklopfen, die historischen Fehler und innere Inkonsistenzen offen zu legen und mit der Position von Kirche und Theologie zu konfrontieren, könnte Aufgabe einer erfolgreichen und.... zeitgenössischen Schul -und Bildungsarbeit sein." [siehe Webseite der Karl-Leisner-Jugend unter...] So kommentierte Martin Mosbach schon im Juli 2005 in Das Geheimnis von Paris: "Den Deutschen oder Engländer wird nicht aufhören zu erstaunen, daß die von Dan Brown geplante enthüllende Sensation aus der Religion stammt. War die Religion nicht eben noch, gerade bei den Massen, ein erledigtes Thema? Eines steht jeden falls fest. Die Kenntnisse der von der Religion sind auch bei Gebildeten vielfach gegen null gesunken."

Noch einmal: wir sollten Dan Brown dankbar, dass er das Interesse an Fragen der Geschichte, der Religion, des Glaubens und der Spiritualität geweckt hat. Wir müssen seine Thesen ernst, aber nicht für bare Münze nehmen (vgl. Etchegoin/Lenoir, 2005, 8). Die Antworten auf diese Fragen sollten Dan Brown nicht (allein) überlassen.

Weitere Links zum Thema: Der Da Vinci Code; Dan Brown; außerdem eine interessante Seite von Life4seekers.

Freitag, April 07, 2006

Übe Kwick und andere Chat Communities

Habe einen Post über Kwick und andere Chat Communities eschrieben, der in unserem Kulturforum veröffentlicht ist. [mehr....]

Mittwoch, März 29, 2006

Wer bin ich? Jesu Gleichnis von den Talenten (Mt 25, 14ff)

Wer bin ich? Was bin ich? Bin ich ich? Bin ich was ich bin? Diesen und anderen Fragen gehen wir in unserem Relikurs der Klasse EG 1/1 & 1/2 in der Unterrichtseinheit "Ich-Selbst" nach. In diesem Zusammenhang behandelten wir auch das Gleichnis Jesu von den Talenten, oder dem anvertrauten Geld, wie es hier heisst. Dazu der heutige Text aus der Reihe Anstöße des SWR 1 vom Mittwoch, dem 29. März 2006. Dieser Text hat mich sehr bewegt, so dass ich ihn an dieser Stelle zitieren möchte. [mehr.....]

Gabriele Landler spricht von einem Grafiti an einer Bushaltstelle. Da stehe in großen Buchstaben "ICH". Sie schreibt dazu: "Hätte ich auch mal Lust irgendwo ganz groß ICH hinzuschreiben? Oder es laut hinauszuschreien? – Ich weiß nicht. Aber dieses protzige ICH erinnert mich an Gefühle, wenn mir selbst die Anerkennung verweigert wird, wenn mir jemand – auch ohne Worte – sagt: „Du bist für mich eine Null.“ Unter all den Wandbemalungen gibt es eine besondere. Da steht eine Frage: Was ist Kunst? - Antwort: ICH." Und sie fährt fort: "Dieses ICH, das für mich immer noch keinen Namen hat, ist Kunst. Nicht der Schriftzug, der sicher nicht. Der Mensch, der dahinter steckt, der ist Kunst." Der Mensch als Kunstwerk Gottes. Gabriele Landler verweist auf dem Psalm 139, 14-16, wo es heisst: "Denn du hast mein Inneres geschaffen, mich gewoben im Schoß meiner Mutter. Ich danke dir, daß du mich so wunderbar gestaltet hast. Ich weiß: Staunenswert sind deine Werke. Als ich geformt wurde im Dunkeln, / kunstvoll gewirkt in den Tiefen der Erde, waren meine Glieder dir nicht verborgen. Deine Augen sahen, wie ich entstand, in deinem Buch war schon alles verzeichnet; meine Tage waren schon gebildet, als noch keiner von ihnen da war."

Das also ist es, was wir glauben und auf was wir vertrauen dürfen. Was aber heisst das? Was macht mich denn zum Kunstwerk? Was zeichnet mich aus? Was ist schön an mir? Was sind meine Fähigkeiten und Talente, die Gott mir geschenkthat? In diesem Zusammenhang haben wir auch gemeinsam das Gleichnis vom vom anvertrauten Geld gelesen. (Mt 25,14-30)

Es ist wie mit einem Mann, der auf Reisen ging: Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an. Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann reiste er ab. Sofor begann der Diener, der fünf Talente erhalten hatte, mit ihnen zu wirtschaften, und er gewann noch fünf dazu. Ebenso gewann der, der zwei erhalten hatte, noch zwei dazu. Der aber, der das eine Talent erhalten hatte, ging und grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld seines Herrn.

Nach langer Zeit kehrte der Herr zurück, um von den Dienern Rechenschaft zu verlangen. Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte, brachte fünf weitere und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir gegeben; sieh her, ich habe noch fünf dazugewonnen. Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn! Dann kam der Diener, der zwei Talente erhalten hatte, und sagte: Herr, du hast mir zwei Talente gegeben; sieh her, ich habe noch zwei dazugewonnen. Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!

Zuletzt kam auch der Diener, der das eine Talent erhalten hatte, und sagte: Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mann bist; du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast; weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde versteckt. Hier hast du es wieder. Sein Herr antwortete ihm: Du bist ein schlechter und fauler Diener! Du hast doch gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe. Hättest du mein Geld wenigstens auf die Bank gebracht, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten. Darum nehmt ihm das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat! Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen.

Wir waren uns sehr schnell einig, dass Jesus hier nicht als Vertreter eines an der Profitmaximierung interessierten Kapitalismuss verstanden werden darf. Im Gegenteil. Jesus fordert uns auf, mit unseren von Gott jeweils zugeschrieben Talenten zu wuchern und sie eben nicht zu vergraben, denn wir werden eines Tages zu Rechenschaft gezogen werden, was wir aus unseren Talenten und Begabungen gemacht haben.

Dennoch haben wir uns auch die Frage gestellt, was wir wohl mit dem Talent in finanzieller Hinsicht machen könnten, um es zu vermehren. So verabredeten wir, dass jede Schülerin und jeder Schüler in der Klasse eine Euro als Einsatz stiftet und diesen Euro so gewinnbringend wie möglich einsetzt. Dieses Gewinn möchten wir anschließend spenden. Ich wünsche mir, dass meine Schülerinnnen und Schüler ihr jeweilige Prinzip der Gewinnmaximierung hier veröffentlicht.

Sonntag, März 19, 2006

"Klo-Wände im Internet?!" - Über die Bedeutung von Weblogs

Wie ihr seht, führe auch ich mittlerweile Blogs. Solche Online-Tagebücher werden immer beliebter. Zunehmend werden Artikel zu diesem diesem Thema veröffentlicht. Siehe dazu "Es bloggen die Blogger im rauschenden Netz" von Gero von Randow in Die Zeit vom 9. März 2006. Entgegen langläufiger Meinung werden die Inhalte einiger Weblogs jedoch geschätzt, vor allem die von Dissidenten, kritische Bürger und poltische Aktivisten. Götz Hamann zitiert in seinem Artikel "Die Eingeborenen des Internet" u.a. auch den Online-Journalisten David Gilmore, der in den Blogs ein "Aufstand der Leser und Zuschauer gegen die amerikanischen Medien" sieht. In Deutschland jedoch würden die Blogs bisher noch kaum wahrgenommen werden. Ich persönlich sehe Weblogs auch als gutes Beispiel für Vernetzungsmöglichkeiten in einer zunehmend globaleren Welt hinsichtlich der Demokratisierungstendenzen als Chance der Globalisierung (Friedman). Und es macht Spaß. [Siehe Fagi's Kulturcafe....]

Sonntag, März 05, 2006

McDonald's sichert den Frieden?!

Momentan lese ich immer noch das Buch von Thomas L. Friedman (Globalsierung verstehen, Berlin 1999) zu lesen [mehr...]. Im Kapitel über "Die Theorie der Konfliktvermeidung durch den Goldenen Doppelbogen" findet sich eine interessante Theorie. Seine These: "Kein Land, in dem es McDonald's-Restaurants gibt, hat jemals gegen ein anderes Land Krieg geführt, in dem es McDonald's-Restaurant gibt." (244). Er meint, dass ein Land sich wirtschaftlich so weit entwickeln soll, dass es eine Mittelschicht habe, damit es zu einem McDonald's-Land werden könne. (245). Eine Ausnahme gebe es jedoch, nämlich als 19 McDonald's-Länder Ex-Jugoslawien mit seinen 14 McDonald's-Restaurants überfielen. Frage: Wieviele McDonald's-Restaurants gibt es im Iran und Irak? Könnte man doch mal überprüfen?

Donnerstag, März 02, 2006

Was heisst Christsein? Zwanzig Thesen von Hans Küng

Der Tübinger Theologe Hans Küng hat 20 Thesen zum Thema Christsein veröffentlicht auf der Webseite von Publik-Forum können diese These diskutiert und kommentiert werden. Schaut doch mal rein. [mehr dazu unter....]

Montag, Februar 20, 2006

Evolution oder Intelligent Design? Der Streit um die Schöpfung

Hat Gott die Welt in sieben Tagen erschaffen? Das glauben zumindest viele Kreationisten in Amerika. Aber auch in Deutschland erfreut sich diese Ansicht immer größerer Beliebheit, allerdings mit einer veränderten Idee des Intelligent Design, nämlich der Vorstellung eines intelligenten Schöpfers, der immer wieder in die Welt eingreife und ihr neue Impulse verleihe (Thomas Wilke, Und die Erde ist eine Scheibe!, in Bild der Wissenschaft, Heft 3, 2005, 30f.) Interessant ist dabei, das versucht wird, diese abstruse Idee als Wissenschaft zu verkaufen. Ich persönlich glaube, dass Gott die Welt erschaffen hat (creatio prima) und dass es auch eine weiterführende Schöpfung gibt (creation continua), was aber nicht nicht heisst, dass wir die biblischen Schöpfunsgberichte wörtlich nehmen müssen. Wie mein Lehrer an der Uni (Professor Deissler) immer betont hat: "Diese Geschichten sind eine Wesens- und keine Werdeerzählung". Weitere Informationen zur Diskussion unter: www.talkorigins.org; www.evolutionsbiologen.de. Der Vertreter des Kreationsismus in Deutschland ist die Studiengemeinsschaft Wort und Wissen.

Samstag, Februar 18, 2006

Seminarkurs "Blut": Gen-Doping und Transhumanismus

Laut einigen Wissenschaftler muss der Mensch optimiert werden. Gregory Stock nennt dies "germline engineering". Zu diesem Thema habe ich einen Artikel Franz Muggenthaler mit dem Titel Tiefkühl-Religion in "Die Zeit" gefunden.

"Transhumanisten verstehen sich als die Avantgarde der technisierten Gesellschaft. Sie glauben, dass sich der Mensch mit Hirnimplantaten und Gendoping optimieren ließe, und freuen sich auf ihr Leben nach dem Tod". [mehr.....]

Erziehung zum Duckmäusertum oder Erziehung zur Mündigkeit? Über die Super-Nanny bei RTL

Die Medien haben die Erziehung entdeckt. So läuft die RTL-Serie "Die Super Nanny" mit zunehmendem Erfolg. Aber das pädaggische Konzept ist nicht unumstritten. In dieser Serie wird meineserachtens die Würde des Kindes verletzt und ein Erziehungskonzept propagiert, dass zur Anpassung führt anstatt zur Entfaltung der freien Persönlichkeit des Kindes mit einem eigenen Willen und Selbstbewusstsein. Wer hat die Serie schon mal gesegen? Was haltet Ihr davon?

Hier sind ein paar Links zur Serie: 1. Stellungnahme des Kinderschutzbundes; ein Kommentar von von Regina Schilling; weitere Stellungnahmen.

Freitag, Februar 17, 2006

Projekt Heilige Schrift: Meine Lieblingsstelle in der Bibel

Liebe Schülerinnen und Schüler!
Die Bibel ist das Buch der Bücher schlechthin. Die heilige Schrift ist schlichtweg das "klassische Buch des Abendlandes". Für Jan Ross ist sie "die Mutter aller Entwicklunsgromane", wie er in DIE ZEIT Nr. 14 vom 27.3.02 schreibt. [mehr dazu.....] Das biblische Gottes-und Menschenbild hat Europa und die Welt bis heute geprägt. Darüber hinaus bietet sie auch Geschichten, in denen wir uns mit unseren Sorgen, Ängsten, Hoffnungen und Sehnsüchten wieder finden und Trost und Lebenshilfe finden können. Ich möchte Euch einladen, Eure liebste Bibel-Stelle hier als Kommentar zu veröffentlichen und zu beschreiben, was diese Stelle für Euch bedeutet.

Hier sind noch ein paar Surf-Tipps:
Das ist eine interessante Seite zum Jahr der Bibel. Wenn Ihr eine Bibelstelle sucht, so könnt Ihr unter Bibel-online den gesamten Text finden. Die Online-Konkordanz
hilft Euch bestimmte Textstelle und/oder Themen zu finden. Eine Einführung von Jörg Sieger findet ihr unter Eine Einführung in die Heilige Schrift.

Viel Spaß!